Die Bundesministerien verbrennen mit ihren energie-ineffizienten Gebäuden nicht nur Geld, sondern riskieren auch ihre Glaubwürdigkeit in punkto Klimaschutz.
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Klimasünder

Klima-Check: Diese Ministerien heizen zum Fenster raus

Die deutsche Umwelthilfe vergleicht Gebäude-Energieausweise von Ministerien und kommt zu ernüchternden Ergebnissen.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

„Schlafender Riese“ - so wird das Klimaschutzpotenzial, das im Gebäudebestand steckt, oft genannt. Allerdings tut sich die Politik schwer, ihn zu wecken. Nicht nur, dass seit 2016 über ein Gebäudeenergiegesetz verhandelt wird, auch in den eigenen Bauten zeigt sich großer Nachholbedarf, wie ein Vergleich der Deutschen Umwelthilfe jetzt ergab.

Spitzenplatz für das Forschungsministerium

Der Verein hat von insgesamt 26 Ministerien und nachgeordneten Behörden Energieausweise angefordert und verglichen. Das traurige Ergebnis: Nur das Ministerium für Bildungs- und Forschung erfüllt mit einem Bedarf von 36 kWh/m2 den KfW-40-Standard und damit den niedrigsten Standard von so genannten Energiesparhäusern. Es benötigt nur 40 Prozent der in der Energieeinsparverordnung angegeben Werte eines Referenzhauses.

Auf den Plätzen, denen die DUH ein noch gutes Zeugnis ausstellte, folgen

  • Umweltministerium, 67 kWh/m2
  • Auswärtiges Amt, 68 kWh/m2
  • Landwirtschaftsministerium, 68 kWh/m2.

Schlusslicht: das Familienministerium, Vorletzter ist das Kanzleramt

Auf den mittleren Plätzen folgen die Ministerien für Arbeit und Soziales, Inneres sowie für Verkehr. Ganz hinten liegen:

  • Familienministerium, 211 kWh/m2
  • Bundeskanzleramt, 195 kWh/m2, Energieausweis abgelaufen
  • Finanzministerium, 161 kWh/m2
  • Verteidigungsministerium, 149 kWh/m2
  • Wirtschaftsministerium, 142 kWh/m2

Gar keine Energieausweise konnten die Ministerien für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Justiz und Gesundheit vorlegen. Auch bei den 14 angefragten nachgeordneten Behörden war die Ausbeute mau: Laut DUH konnten nur zwei das geforderte Dokument zeigen.

Was ist mit dem Sanierungsfahrplan?

Abhilfe soll eigentlich der Energetische Sanierungsfahrplan der Bundesliegenschaften (ESB) schaffen. Der ESB betrifft laut DUH 2.200 Liegenschaften. Bereits seit 2012 geplant und 2015 fertiggestellt, bleibe er jedoch noch immer unter Verschluss, bemängelt der Verein. Der Grund: Die Sanierungen seien aus Sicht des Bundesfinanzministeriums zu teuer.

Paula Brandmeyer, stellvertretende Leiterin Energie und Klimaschutz bei der DUH kritisiert die zuständigen Minister: „Scholz und Seehofer verweigern offen den Klimaschutz im Gebäudebereich. Herr Scholz zieht es vor, ein Budget für Sanktionszahlungen wegen verpasster Klimaziele in den Haushalt aufzunehmen, statt in die energetische Verbesserung zu investieren.“ Es sei kurzsichtig, Klimaschutz und Sanierung aufgrund von Kosten gegeneinander auszuspielen. „Angesichts des desaströsen Ergebnisses insbesondere bei den nachgeordneten Behörden bleiben wir deshalb dran und prüfen weiter.“

DUH hat sechs Forderungen

Die DUH fordert ein Umdenken in der Politik mit sechs Maßnahmen:

  1. keine neuen Ölheizungen ab 2020,

  2. Ausstieg aus Gasheizungen ab 2025,

  3. staatliche Förderung für energetische Sanierung mit ausreichendem Finanzrahmen,

  4. Erhöhung der Effizienzanforderungen für Neubauten auf mindestens KfW-40-Standard,

  5. Erstellung ordnungsrechtlicher Vorgaben für die Bestandssanierung sowie

  6. Erstellung von individuellen Sanierungsfahrplänen bei Verkauf und Neuvermietung.

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