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Solarpolitik

Solarpark kommt ohne Förderung aus

Im August dieses Jahres hat eine Photovoltaik-Anlage in Deutschland kein Marktprämie gebraucht. Die Erneuerbaren werden immer wettbewerbsfähiger.

Nicole Weinhold

„Die Entwicklung dererneuerbaren Energien ist rasant", sagt Marco Nicolosi von Connect Energy Economics. Er erinnert daran, dass bei Ausschreibungen im Bereich der erneuerbaren Energien die sogenannte gleitende Marktprämie die Differenz zwischen Auktionsergebnis und Erlös ausgleicht. „Unter dem zunehmenden Wettbewerbsdruck entwickeln sich die Marktteilnehmer weiter", so Nicolosi. Kostensenkungen bei Investitions- und Betriebskosten, Laufzeiterlängerung - überall wird an der Kostenschraube gedreht, sodass die Stromgestehungskosten sinken. „Wenn keine Förderung ausgezahlt wird, ist die Anlagen im Markt angekommen." Künftig würden immer mehr Anlagen in immer mehr Monaten des Jahres ohne Förderung auskommen, so seine Prognose.

Börsenpreis höher als Marktprämie

Den Auftakt machte im August 2018 eine PV-Anlage mit einer gleitenden Marktprämie in Höhe von null Cent. Die Anlage hat entsprechend kein Geld aus dem EEG-Konto erhalten. Die Photovoltaik-Anlage in Wittstock hatte bei einer Ausschreibung einen Zuschlag in Höhe von 5,42 Cent pro Kilowattstunde (Zuschlagswert = anzulegender Wert) erhalten. Guido Ingwer ist Betreiber der Solaranlage mit 1.848 Kilowatt Leistung. Er sagt, der Marktwert sei im August 5,595 Cent pro Kilowattstunde gewesen.

Lotte Lehmbruck von dem Direktvermarkter Next Kraftwerke berichtet, 6.400 Anlagen befänden sich bei ihrer Firma in der Direktvermarktung. Man habe bezüglich der Systemintegration Erneuerbarer festgestellt, dass immer weniger Regelenergie abgerufen werde. Das Gegenteil war zuvor erwartet worden. Aber stattdessen würden Ungleichgewichte marktseitig weggehandelt. „Außerdem ist die Prognose noch besser geworden", so Lehmbruck. Auf diese Weise helfen die Erneuerbaren, das System zu stabilisieren."

Die Integration erneuerbarer Energie in den Markt funktioniere, sagt Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), bei einer BEE-Pressekonferenz zu dem Thema, „Das EEG trägt in seiner Funktionsweise dazu bei.“ Entscheidend für diese Entwicklung sind faire Marktpreise und ein angemessener CO2-Preis, die Differenzkosten der Erneuerbaren sind dadurch deutlich zurückgegangen. Auch der Kohleausstieg werde zu steigenden Marktpreisen führen, sodass die Erneuerbaren wettbewerbsfähiger würden, so Nicolosi.

Dadurch dass die Erneuerbaren wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Energien werden und ohne Förderung auskommen, verlieren Gegner der Erneuerbaren ein wichtiges Argment. Zu teuer - so hieß es in der Vergangenheit oft. Damit ist es jetzt vorbei. „Es ist jetzt Aufgabe der Politik, den Ausbau der Erneuerbaren – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – umzusetzen“, betont Röttgen. Der BEE geht davon aus, dass die Kosten bei Photovoltaik und Windenergie auch in den kommenden Jahren weiter sinken werden.

Risikominimierung durch das EEG

Das EEG spiele für den politisch gewünschten Ausbau der Erneuerbaren und damit verbunden für die Refinanzierung Erneuerbarer-Energie-Anlagen weiterhin eine wichtige Rolle. Das Gesetz ist dabei so konstruiert, dass die Marktprämie sich automatisch in dem Maße reduziert, wie der Marktwert der Erneuerbaren steigt und die Kosten fallen. „Die gleitende Marktprämie übernimmt immer stärker die Rolle der Risikoabsicherung“, betont Röttgen. Dies trage dazu bei, dass Risikozuschläge minimiert werden, wodurch der Ausbau der Erneuerbaren Energien deutlich kostengünstiger stattfinden kann.

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