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Anlagenhersteller will frisch fertigen US-Meereswindpark nicht mehr betreuen

Wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits Ende der Woche nach Ostern berichtet hat, zog die Projektgesellschaft Vineyard Wind mit einer Klage gegen die Windturbinensparte von GE Vernova nun vor ein Gericht in Boston, um diesen den Ausstieg aus ihren Vertragsverpflichtungen zu verbieten. Der bisherige Technologiepartner habe nur Tage später, nachdem das 806-Megawatt-Kraftwerk vor der Küste von Massachusetts als erster großskaliger kommerzieller Offshore-Windpark der Vereinigten Staaten in einen Vorbetrieb gestartet sei, mit dem Abbruch der vertraglich zugesicherten Arbeiten gedroht. Der offenbar 1,3 Milliarden US-Dollar schwere Vertrag sieht nicht nur die Errichtung und die in Teilen noch ausstehende komplette Inbetriebnahme mit Netzanschluss und elektrischen Betriebstests vor, sondern auch die späteren Wartungen und Instandhaltungen der Anlagen.

Hinter dem Konflikt verbirgt sich ein Streit um die Haftung für Schäden, Qualitätsmängel, Verzögerungen und politische Widrigkeiten, die das mit 4,5 Milliarden Dollar Investment veranschlagte Gesamtprojekt zusätzlich finanziell belasten. GE Vernova will sich unter anderem auch zurückziehen, wie aus der Klageschrift hervorgeht, weil die Gesellschaft Vineyard Wind, ein Joint Venture des spanischen Energiekonzerns Iberdrola und des Infrastrukturkapitalfonds Copenhagen Infrastructure Partners, 308 Millionen US-Dollar an fälligen Rechnungen vor dem Auszahlen an GE zurückhält. Dies sei der von GE „zugegebenen schlechten Ausführung“ des Projekts zuzuschreiben, die mit schadhaften Rotorblättern zu tun hat. Die Probleme sollen dem Projekt bereits jetzt finanziellen Schaden zugefügt haben, heißt es in der Anklage: In Wirklichkeit schulde GE Vernova dem Joint Venture bereits 545 Millionen Dollar, die zurückbehaltenen 308 Millionen US Dollar entsprächen den vertraglichen Vereinbarungen dafür.

Tatsächlich hatte sich im Juli 2024 ein Rotorblattbruch ereignet. Danach mussten umfangreiche Reinigungsarbeiten gegen Umweltschäden in der See stattfinden. GE Vernova musste 68 schon an Turbinen montierte schadhafte Rotorblätter und zur Sicherheit auch die restlichen 4 nicht betroffenen Blätter wieder abnehmen und nach und nach ersetzen. Die Glasfaser-Kunststoff-Verbundkomponenten waren aus einem GE-Werk in Canada gekommen, wo sie allerdings nicht sachgerecht „zusammengebunden waren“, wie es in der Anklageschrift heißt – gemeint ist offenbar eine fehlerhafte Verklebung beziehungsweise Vakuumverschmelzung der Halbschalen oder auch stabilisierender Stege im Rotorblattinnern. Die Qualität der Fertigung sei so schlecht ausgefallen, dass Reparaturen der Blätter sinnlos blieben, argumentiert Vineyard Wind. Die nachgelieferten Rotorblätter musste GE aus einer anderen eigenen Produktionsstätte in Frankreich einführen.

Weil die US-Behörden den Bau zwischenzeitlich stoppten, verspätete sich das Projekt „um zwei volle Jahre“, so erklärt Vineyard Wind dem Gericht. Der Vertrag erlaube sogar eine Entschädigung für Verzögerungen von bis zu 394 Millionen US-Dollar. Eine weiterreichende genauere Berechnung aller Schäden für Vineyard Wind belaufe sich sogar auf eine mehr als zwei Mal so hohe Summe, rechnen die Investoren vor.

Die letzten Rotorblätter hatte GE im März montiert. Würde sich GE Vernova nun von dem Vertrag zurückziehen, könnten die Investoren aber wohl gemäß eigener Aussagen den Windpark nicht betreiben. Die Technologie sei an den Hersteller gebunden, zumal noch keine einzige der 62 fertig errichteten 13-Megawatt-Windenergieanlagen schon so komplett fertig gestellt sei, dass die Inbetriebnahme starten könne.

GE Vernova hatte das mögliche Ende der Zusammenarbeit für den 28. April angedroht. Nun soll es am 16. April, also an diesem Donnerstag, zur Anhörung durch den Richter kommen.

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