Die Bundesregierung will die sogenannte Tonnagesteuer auf die Offshore-Branche ausweiten. Das erklärte der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Damit würde für Schifffahrtsverkehr von deutschen Häfen in die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) und zurück eine Regelung zur pauschalen Gewinnermittlung gelten, die bislang internationalem Schiffsverkehr vorbehalten war.
Die Windbranche reagierte positiv auf diese Ankündigung. Sie sei ein „wichtiges und richtiges Signal für mehr heimische maritime Wertschöpfung im Bereich der Offshore-Windenergie in Deutschland“, sagte Karina Würtz, Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, laut einer gemeinsamen Presseinformation mit dem Bundesverband Windenergie (BWE).
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Gewerbesteuer: Wettbewerbsnachteil von rund 30 Prozent
Für die Offshore-Reeder würde diese Änderung nach Ansicht der Verbände deutliche Vorteile bringen. Reedereien versteuerten bei der Tonnagesteuer ihre Gewinne basierend auf der Schiffsgröße statt auf der Grundlage des tatsächlichen Gewinns, hieß es. In Deutschland komme im Offshore-Wind-Bereich aktuell jedoch die reguläre Gewerbesteuer zur Anwendung. Damit ist der angegebene Sitz eines Unternehmens in einer Kommune maßgeblich für die Besteuerung. So entstehe ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Ländern und Standorten von rund 30 Prozent, da die Tonnagesteuer dort im Regelfall bereits zur Anwendung komme. Daher kämen häufig ausländische Schiffe zum Einsatz oder deutsche Reeder weichen auf Basishäfen in europäischen Nachbarstaaten aus, kritisieren die Verbände.
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Profitieren könnte die gesamte Wertschöpfungskette
Künftig könnten Schiffe in der AWZ, die für Versorgung, Bau, Betrieb und Wartung der Offshore-Windparks im Einsatz sind, von dieser Pauschalregelung profitieren. „Mit den nun angekündigten Änderungen kann die deutsche Offshore-Branche ihre Stärken besser ausspielen und neben den direkten Verbesserungen in der Schifffahrt insbesondere auch vor- und nachgelagerte Bereiche wie Hafenlogistik, Wartung und Reparatur, Versorgung, sowie Dienstleistungen entlang der gesamten Offshore-Wertschöpfungskette gegenüber der Konkurrenz aus Dänemark und den Niederlanden wettbewerbsfähig anbieten“, lobte Würtz.
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Aus Sicht des BWE ist die Maßnahme auch von Bedeutung für die Entwicklung der gesamten Windenergiebranche. „Sie stabilisiert Lieferketten, verbessert die Logistik und schafft die Grundlage für mehr Wertschöpfung in Deutschland“, BWE-Präsidentin Bärbel Heideboeck. Nun komme es darauf an, die Änderung schnell und praxisnah umzusetzen.