Der Verkehrssektor reißt regelmäßig seine CO₂-Ziele, gleichzeitig wollen viele Kommunen spätestens 2045 klimaneutral sein. Das Fraunhofer ISI hat jetzt die Klimawirkungen von drei unterschiedlichen kommunalen Maßnahmen untersucht und bei allen nachweisbare Potenziale zur Einsparung von Treibhausgasemissionen ermittelt.
Maßnahme 1: Neue Schnellbuslinie in Freiburg
Freiburg hatte Ende 2022 die neue Schnellbuslinie 37 eingeführt, die an Wochentagen morgens und nachmittags mehrere Umlandgemeinden mit der Kernstadt und dem Bahnnetz verbindet. Fahrzeiten und Umstiege für Pendler konnten dadurch reduziert werden.
Ein voller Erfolg, wie eine Befragung der Fahrgäste zeigt: Ein Drittel hat zwar einen Pkw zur Verfügung, nutzt aber aus Bequemlichkeitsgründen lieber den Bus. Dadurch spart die Buslinie jährlich 157 Tonnen CO₂ ein, obwohl Dieselbusse eingesetzt werden. Der Einsatz von Elektrobussen würde die Wirkungen verdreifachen, so das Fraunhofer ISI.
0,6 Prozent: Kaum Zuwachs bei Erneuerbaren im Verkehr
Maßnahme 2: Kostenloses Parken für Elektrofahrzeuge in Stuttgart
Ab 2012 galt in Stuttgart: Elektroautos parken kostenlos. Die Forschenden ermittelten, dass in Stuttgart von 2018 bis 2022 schätzungsweise bis zu 15.460 rein elektrische Fahrzeuge und 10.160 Plug-in-Hybride aufgrund des kostenlosen Parkens anstelle von Benzinern und Diesel-Pkw zusätzlich in den Fahrzeugbestand gekommen sind. Rund ein Drittel aller rein elektrischen Fahrzeuge konnte dem kostenlosen Parken zugerechnet werden. In diesem Zeitraum ergibt sich durch die Maßnahme eine Einsparung von rund 63.000 Tonnen CO₂.
Plug-in-Hybride verbrauchen deutlich mehr Kraftstoff als angenommen
Wegen der starken Zunahme des Elektroauto-Bestands in der Region ließ die Stadt die Regelung zum Ende des Jahres 2022 auslaufen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Anteil von Elektroautos in Stuttgart bei acht Prozent und damit fast doppelt so hoch wie im landesweiten Durchschnitt (4,5 Prozent). Auch in den angrenzenden Landkreisen, von wo viele Menschen für Arbeit oder Freizeit in die Stuttgarter Innenstadt pendeln, lag der Anteil an Elektrofahrzeugen zum Teil deutlich oberhalb des Landesdurchschnitts.
Maßnahme 3: Bewohnerparken in Tübingen
In Tübingen kostet ein Bewohnerparkausweis im Zeitraum der Untersuchung je nach Antriebsart, Fahrzeuggewicht und Einkommen im Schnitt 126 Euro. Die Folge war eine Reduktion der Fahrzeugflotte um 2,6 Prozent oder 275 Fahrzeuge im Untersuchungsgebiet. Dadurch reduzierten sich die CO₂-Emissionen durch eine Verlagerung vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel, Zu-Fuß-Gehen und Radfahren: ProEinwohner wurden von 2022 bis 2024 in Tübingen jährlich 12,4 Kilogramm CO₂ eingespart. Gleichzeitig steigerte die Stadt ihre Einnahmen erheblich.
„Die Maßnahmen tragen messbar zum Klimaschutz bei“, resümiert Niklas Sieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsfeld Mobilität am Fraunhofer ISI. Ideal sei daher eine Kombination aus mehreren Maßnahmen.