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WI Energy kritisiert: Schleppender Netzausbau bremst den Solarzubau

Deutschland braucht jede Menge Solaranlagen – dezentral überall im Land installiert. Doch die Stromnetze erweisen sich zunehmend als limitierender Faktor, wie der Projektierer WI Energy leidvoll erfahren musst. Denn das Unternehmen will den Solarpark im rheinland-pfälzischen Kröv ausbauen. Die Anlage auf der ehemaligen Deponie läuft zwar schon seit 2025. Doch jetzt plant WI Energy die Kapazität auf zwei Megawatt mehr als verdoppeln.

Doch so einfach geht das nicht. Denn derzeit wirkt das Netz als begrenzender Faktor. „In den zugewiesenen Netzverknüpfungspunkten kann nur eine kleine Menge Strom abgeführt werden“, erklärt Michael Reichert, Geschäftsführer des Trierer Projektentwicklers WI Energy, die Situation vor Ort. „Dies schränkt die geplante Erweiterung der Anlage auf zwei Megawatt ein.

Neues Leben auf der Brache

Dabei wäre die Fläche bestens geeignet. Denn mit dem Solargenerator bekommt die einstige Brachfläche eine neue Nutzungsbestimmung. Die Photovoltaik haucht der Fläche, wo eins Müll abgelagert wurde, neues Leben ein – im wahrsten Sinne des Wortes. Da der Trierer Projektierer beim Aufstellen der Modultische auf ein Fundament verzichtet und die Pfosten einfach nur in die Erde rammt, arbeitet die Anlage ohne Versiegelung der Böden. Die Natur freut sich: Auf der Freiflächenanlage wachsen insektenfreundliche Pflanzen, Schafe weiden dort. Es ist ein Paradebeispiel, welche Vorteile Freiflächenphotovoltaikanlagen haben.

Dies könnte jetzt noch ausgebaut werden, wäre da nicht die Netzproblematik. „In Rheinland-Pfalz treffen wir damit auf ein Problem, dem wir im ganzen Land begegnen: ein sehr zögerlicher Netzausbau“, sagt Michael Reichert. Beschleunigter Ausbau der Netzinfrastruktur und Unterstützung bei der Investition in neue Speicheroptionen trieben seiner Ansicht nach den Ausbau der Sonnenstromproduktion voran.

Netz nicht für dezentrale Einspeisung dimensioniert

Deshalb kritisiert Reichert die Untätigkeit der Netzbetreiber und der Politik, die für den schleppenden Netzausbau verantwortlich sind. Dies wird mehr und mehr zum Hemmnis beim Ausbau der Photovoltaik. „Die Netze sind nicht darauf ausgelegt, dezentrale Stromerzeugung über die bestehende Netzinfrastruktur abzubilden, sondern werden für die Lieferung an Endkunden dimensioniert“, erklärt Reichert. Das gilt nicht nur für Rheinland-Pfalz. Auch in Schleswig-Holstein steht WI Energy vor dem gleichen Problem. Denn dort erzeugen Offshore-Windparks eine gewaltige Energiemenge. Nordlink 1 exportiert und importiert Strom mit langen Seekabeln nach und von Norwegen. In Summe belaste dies die Übertragungsnetze in den Süden und erschwere die Errichtung weiterer großer Erzeugungsanlagen, schildert Reichert die dortige Lage.

Strom unabhängig vom Netz produzieren

Dabei liegen die Lösungen gar nicht in so weiter Ferne. Forscher:innen tüfteln seit Jahren daran, Wasserstoff oder andere Speichertechnologien in die Lage zu versetzen, Strom vom Produktionsort zum Abnehmer zu transportieren. Dadurch ließe sich der Solarstrom unabhängig vom Netz erzeugen, wodurch mehr installierte Leistung möglich wird. Denn der Überschuss kann dann in in Wasserstoff umgewandelt oder zwischengelagert werden. Der Haken ist nur, dass das mit immensen Investitionskosten verbunden ist, die die Energiebranche ohne gesicherte Abnahme des produzierten Wasserstoffs nicht wirtschaftlich realisieren kann“, betont Reichert.

Beitrag zum Gelingen der Energiewende

Beschleunigter und zukunftsfähiger Ausbau der gesamten Netzeinfrastruktur erscheint dem Trierer als näherliegende Lösung. „Mein Appell an die Politik: Photovoltaik gehört zu den Top Treibern der Energiewende. Ein höheres Tempo beim Netzausbau schlägt den Flaschenhals entzwei, kurbelt die Grünstromübertragung an und leistet einen großen Beitrag zur gelingenden Energiewende“, schlägt der WI-Energy-Chef vor. (su)