Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) hat eine umfassend überarbeitete und erweiterte Auflage des „Sicherheitsleitfadens für große Lithium-Ionen-Batterien“ veröffentlicht. In der neuen Auflage des Sicherheitsleitfadens haben die Expert:innen des Verbands unter anderem die technologischen Entwicklungen berücksichtigt, die sich seit 2021, als die vorhergehende Auflage erschien, ergeben haben.
Die neue Publikation deckt erstmals auch sicherheitsrelevante Anforderungen über den gesamten Lebenszyklus großer Batteriespeicher ab: von Planung und Transport über Betrieb, IT-Sicherheit und Second Life bis zum Rückbau. „Die Speicherbranche entwickelt sich rasant – inzwischen entstehen Projekte mit mehr als einer Gigawattstunde Speicherkapazität“, sagt Urban Eindelen, Bundesgeschäftsführer des BVES. „Damit steigen auch die Anforderungen an Sicherheit, Praxiswissen und Standards“, begründet er die Notwendigkeit einer erweiterten Neuauflage des Sicherheitsleitfadens.
Orientierungshilfe für Projektierer und Betreiber
Deutschland habe eine solide Normen- und Regelwerkslage, die die Branche gemeinsam aufgebaut habe, sagt er. „Und bisher gab es keine Havarien. Dynamische Märkte erfordern jedoch stets aktuelle Handlungsempfehlungen – genau das liefert der neue Leitfaden“, betont Windelen. Er verbinde Technik, Regulierung und gelebte Praxis, ergänzt Thomas Timke, Sprecher des BVES-Arbeitskreises Sicherheit und Normen. „Der neue Leitfaden bietet eine kompakte, anwendungsorientierte Orientierungshilfe für Betreiber, Projektierer, Behörden und Versicherer“, beschreibt er.
Aktuellen Stand der Technik berücksichtigt
Die dritte Auflage basiert auf aktuellen technischen Standards, etablierten Regelwerken und umfangreichen Praxiserfahrungen. Sie berücksichtigt baurechtliche, brandschutztechnische, genehmigungs- und versicherungstechnische Anforderungen gleichermaßen. Zentrale Themen sind unter anderem der bauliche, abwehrende und anlagentechnische Brandschutz. Der Leitfaden enthält jetzt aber auch Anleitungen zur Analyse der Risiken, für die Erstellung von Schutzkonzepten sowie organisatorische Betriebsempfehlungen.
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Cybersicherheit wird wichtiger
Da die Cyberattacken aus dem Netz auch vor Speichern nicht Halt machen, haben die Autor:innen beschrieben, welche Voraussetzungen für die IT-Sicherheit, die Datenverarbeitung und die Batterieanalytik inzwischen notwendig sind. In den neuen Leitfaden sind auch die aktuellen Regelungen der EU-Batterieverordnung und weiterer regulatorischer Entwicklungen eingeflossen und die Autor:innen beschreiben, wie sich diese auf den Bau und den Betrieb von Großspeichern auswirken. Sie geben auch Hinweise zur Versicherbarkeit, zur Genehmigungspraxis und zu den behördlichen Anforderungen an Großbatteriespeicher.
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Expert:innen an einen Tisch gebracht
Die Empfehlungen des Leitfadens werden von den deutschen Feuerwehren übernommen und in Kürze auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) veröffentlicht. Bei der Erstellung des Leitfadens haben Expert:innen aus Industrie, Wissenschaft, Behörden, Feuerwehr und Versicherungswirtschaft mitgewirkt. „Es ist ein starkes Zeichen, wenn alle relevanten Akteure konstruktiv und engagiert zusammenarbeiten, um den dringend notwendigen Speicherausbau auf eine gemeinsame Grundlage zu stellen. Das ist gelebte Verantwortung für ein zukunftsfähiges Energiesystem“, sagt Urban Windelen.
Der aktuelle „Sicherheitsleitfaden für große Lithium-Ionen-Batterien“ steht auf der Webseite des BVES zum Download bereit.