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Großspeicher werden immer wichtiger – und sie verändern sich

„Ohne Speicher keine erfolgreiche Energiewende, ohne Speicher kein stabiles und sicheres Energiesystem. Das ist mittlerweile Konsens. Die Frage ist nicht mehr, ob wir Speicher brauchen, sondern wie wir den notwendigen Zubau erreichen und welche Rahmenbedingungen dafür gesetzt werden müssen.“ Mit diesen Worten eröffnete Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeichersysteme (BVES), die Tagung „Großspeicher für das Stromnetz“ die der Verband in Berlin veranstaltet hat.

Dezentral oder zentral?

Bisher wurde der Zubau in Deutschland allerdings vor allem von kleinen Heimspeichern angetrieben. Der Markt für Gewerbespeicher nimmt allerdings auch langsam Fahrt auf. Doch nicht zu vergessen: Die Erzeugungsstruktur des zukünftigen Stromsystems ist zwar dezentraler als bisher. „Doch die erneuerbaren Energien sind in einer gewissen Weise dennoch zentral“, sagt Matthias Vetter vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) auf der Großspeichertagung des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES).

Alle Technologien nutzen

Vetter blickt hier vor allem auf die großen Solarparks. Aber auch Windkraftanlagen sind zentraler als die vielen kleinen Solaranlagen auf Hausdächern. Aus diesem Grund werden auch Großspeicher notwendig. Hier gibt es mehrere Ansätze. Einerseits sind es die großen Speichercontainer sowie jede Menge anderer Speichertechnologien jenseits der Batterie, die das Netz absichern. An dieser Stelle sind sich alle in der Speicherbranche einig: Es werde Bedarf für alle Technologien geben, je nach Anwendungsfall. Die Bandbreite reicht hier vom elektrochemischen Batteriespeicher, der den Strom für wenige Stunden zwischenlagern kann, über Druckluftspeicher, bei denen es um die Speicherung des Stroms über mehrere Tage geht, bis hin zu großen Pumpspeicherkraftwerken, die in der Lage sind, Strom auch von einer Saison in die andere zu verschieben. Nicht zu vergessen sind hier die Sektorkopplungsspeicher, die den Strom in Form von Wärme oder Wasserstoff zwischenlagern.

Stromlieferung nach Vorhersage wird möglich

Andererseits sind es die großen Speicher, die die Einspeisung von Strom aus Solar- und Windparks verstetigen und vorhersehbarer machen. Matthias Vetter geht davon aus, dass diese Anwendung in Zukunft den Markt für Großspeicher dominieren wird. Denn: „Die Prognosen der Solarstromerzeugung werden zwar besser. Es bleibt aber immer noch ein gewisses Risiko bei der Produktion und Einspeisung“, sagt Vetter. „Mit dem Stromspeicher hingegen ist eine Stromlieferung nach Vorhersagen möglich.“

Mehr Kapazität im Vergleich zur Leistung

Doch auch der Bedarf an Netzspeichern, wird zulegen, je mehr die volatil erzeugenden Erneuerbaren die Stromversorgung übernehmen. Denn dann werden die fossilen Kraftwerke verschwinden, die bisher für die Systemstabilität verantwortlich waren. Durch die beiden Anwendungsfälle wird sich die Speichertechnologie vor allem im Bereich der Batteriespeicher verändern. „Am Anfang hat die Leistung im Vergleich zur Kapazität des einzelnen Speichers dominiert. Doch das Verhältnis zwischen Kapazität und Leistung verändert sich. In Zukunft wird die Kapazität im Vergleich zur Leistung zunehmen. Wir reden nicht mehr von Leistungsspeichern, sondern von Energiespeichern“, erklärt Matthias Vetter.

Zubau auf 15 Gigawatt steigern

Insgesamt werde das installierte Speichervolumen bis 2030 von derzeit 1,1 auf 15 Gigawatt ansteigen, prognostiziert Sander van der Poel von Frontier Economics. Er ist Mitautor einer Studie, die sich mit den Möglichkeiten und Notwendigkeiten von Speichern im Stromsystem beschäftigt.

Zwölf Milliarden Euro sparen

Er und seine Kolleg:innen haben sich auch den Effekt der Speicher auf die zukünftigen Energiekosten angeschaut. Denn die Speicher senken die Preisschwankungen an den Strombörsen genauso wie die notwendigen Kosten für die Netzdienstleistungen. In der Studie beziffern die Autor:innen den volkswirtschaftlichen Effekt von Stromspeichern auf zwölf Milliarden Euro. Die Speicher können den Großhandelspreis zwischen 2030 und 2050 im Durchschnitt um etwa einen Euro pro Megawattstunde senken.

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Voraussetzung sind natürlich Rahmenbedingungen, die Investitionen in Stromspeicher ermöglichen und unterstützen. Den ersten Schritt hat die Bundesregierung hier mit einer Stromspeicherstrategie getan. „Inzwischen ist das Konsultationsverfahren für die Speicherstrategie beendet und es haben uns jede Menge Stellungnahmen erreicht“, erklärt Stefan Wenzel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWK). „Diese werden im nächsten Schritt in die Speicherstrategie eingearbeitet“, sagt er.

Netzentgeltbefreiung dauerhaft einführen?

Doch das muss schnell gehen, wie aus den Forderungen auf dem Podium der Veranstaltung herauszuhören war. Denn bisher gibt es noch zahlreiche Hürden. Selbst die Aussetzung der Netzentgeltpflicht für Speicher ist nur für die nächsten drei Jahre vorgesehen. Dies ist nur in einer Übergangsvorschrift festgelegt. Da die Bundesnetzagentur jetzt mehr Kompetenzen bekommen hat, kann sie die Regelung wieder ändern. Dieses Risiko tut dem Investitionsklima nicht gut. „Wir müssen das Thema Netzentgelte endlich angehen. Denn wir wollen die technischen Optionen effizient nutzen“, betont Stefan Wenzel. „Es tatsächlich die Frage, was spricht dafür, die Speicher auch längerfristig von Netzentgelten zu befreien? Schließlich haben Speicher eine andere Funktion. Sie sind als Kraftwerk Erzeuger und Verbraucher gleichzeitig.“

Europarechtliches Risiko

Hier warnt der Energierechtsspezialist Florian Valentin von der Kanzlei Bredow Valentin Herz davor, dass die Abschaffung der Netzentgelte europarechtlich problematisch werden könnten. Denn wenn die EU-Kommission dem nicht zustimmt, müssen die Speicher wieder Netzentgelte bezahlen. Dadurch entsteht wieder eine Unsicherheit. „Es wäre vielleicht besser, wenn man die Netzentgelte für Speicher so niedrig ansetzt, dass sie diese verkraften. Das wäre die sicherer Lösung“, sagt Florian Valentin.

Systemstabilität muss vergütet werden

Doch es gibt noch mehr Hürden. Letztlich muss es endlich eine echte Strommarktreform geben, die die Funktionen der Speicher anerkennt. Ein echter Flexibiltätsmarkt würde der Wirtschaftlichkeit weiter auf die Sprünge helfen. Denn dann könnten die Speicher ihre ganzen Vorteil voll ausspielen und würden sich schnell rechnen. „Systemstabilität muss vergütet werden“, betont Thorsten Scheller von Siemens Energy, der auf der Konferenz das Druckluftspeichersystem des Unternehmens vorgestellt hat. Eine Förderung von Speichern als Alternative lehnt die Branche ab, wie vom Podium der Konferenz zu vernehmen war. (su)