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Foto: Solarwatt
Das war der 100.000. Speicher – inzwischen sind es 300.000 Heimspeicher in Deutschland. 

Speichermarkt

Wachstumstreiber: 300.000 Heimspeicher in Deutschland

Deutsche Haushalte treiben den Speichermarkt in Corona-Zeiten an. Versorgungssicherheit und Autarkie  werden gewünscht.

Urban Windelen wollte es sich auf keinen Fall nehmen lassen, zunächst die große Neuigkeit zum Thema E-Mobilität zu verkünden. Der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher-Systeme (BVES) erklärte den Journalisten, die zur jährlichen Bekanntgebe der Branchenzahlen online zugeschaltet waren, VW plane den Aufbau des Schnellladenetzes gemeinsam mit BP und deren Tochter Aral. Nach Informationen des Manager Magazins geht es um mehr als 1000 Ladestationen in Städten sowie an Fernstraßen und Autobahnen. Mit anderen Worte: Die E-Mobilität kann demnächst richtig Tempo aufnehmen. Und das wiederum wird den Bedarf an Batteriespeichern weiter in die Höhe treiben. Der Markt floriert ohnehin. Wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gerade bekannt gegeben hat, wurden 2020 in Deutschland 570.000 E-Autos neuzugelassen. So viele wie nie. Damit hat Deutschland sich in der Weltrangliste um drei Plätze auf Platz 3 hochgekämpft, bei Neuzulassungen sogar auf Platz 2. „Der positive Trend ist auch auf höhere Fördersätze für Elektrofahrzeuge im Rahmen von Corona-Konjunkturpaketen und zusätzliche Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen“, sagte ZSW-Chef Frithjof Staiß.

7,1 Milliarden Euro Umsatz am Speichermarkt

Wie sieht es auf dem Speichermarkt insgesamt aus? Ebenfalls positiv. Über alle Technologien und Segmente ist der Umsatz der Energiespeicherbranche im Jahr 2020 um über zehn Prozent auf 7,1 Milliarden (Mrd.) Euro gewachsen. Und es gab zur Bekanntgabe der Zahlen eine runde Zahl zu bestaunen: Am 15. März wurde der 300.000 Heimspeicher in Deutschland installiert. „Ein enormes Wachstum hat stattgefunden“, so Windelen. Die Gesamtheit aller Hausspeicher stehe für eine Bereithaltung von 2,3 Gigawattstunden. „Das ist genug Strom, um 170 Mal mit dem E-Auto um die Erde zu fahren oder dass 2.000 Familien ein Jahr lang Wäsche waschen.“ Für 2021 werden weiter 100.000 neue Speicher erwartet. Treiber sind einerseits die Nachfrage nach E-Mobilität und andererseits der ungebremste PV-Ausbau. Dieser wird von der EEG-Befreiung für eine erhöhte PV-Leistung und Speicherleistung (30 KW) profitieren.

 

Die Zahlen hat 3 Energie Consulting für den BVES unter anderem aus Fremddaten und Metadaten erhoben. Jörg Blaurock, Partner bei der Consulting Agentur, präsentierte das Branchenwachstum. Dabei identifizierte er das Haushaltssegment als Wachstumsmotor mit einem Umsatz von 3,5 Mrd. von 7,1 Mrd. Euro im Vorjahr. „Die Leute waren zu Hause“, erklärte er. Autarkie, Resilienz, erste Anwendungen von Wasserstoff in Privathaushalten – all das habe im Corona-Jahr 2020 zu Buche geschlagen. Heim- und Wärmespeicher seien besonders stark nachgefragt gewesen. Zweitgrößter Bereich waren Speicher für die Systeminfrastruktur mit 2,1 Mrd., gefolgt von Industrie und Gewerbe mit 1,3 Mrd. Euro.   

Während das Haushaltssegment überproportional wachsen konnte, musste die Sparte Industrie- und Gewerbespeicher pandemiebedingt einen Rückgang von etwa 20 Prozent hinnehmen. Gleichzeitig muss man sagen, dass Großbatterien wegen niedriger Strommarktpreise kaum rentabel sind. Wie in Vorjahren stellen regulatorische Markthemmnisse das größte Problem dar. So ist die Definition des Stromspeichers nicht eindeutig. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, Netzanschlussbedingungen mit unpraktikablen Mess- und Abrechnungskonzepten sowie hohen BKZ. Es gibt eine Intransparenz der geltenden Regelungen. Jedoch wird die Einführung der CO2-Steuer positiv gesehen, wobei der Preis aber noch als zu gering angesehen wird.

Auch dem internationalen Trend zum verstärkten Einsatz von Großspeichern in der Systeminfrastruktur entzieht sich Deutschland weiterhin. Dieses Marktsegment stagniert auf niedrigem Niveau. Der Trend zu Wasserstofflösungen findet in Deutschland ein schwieriges Umfeld vor, so dass Marktanwendungen im industriellen Maßstab sich (noch) nicht durchsetzen können. Eine gute Entwicklung zeigen dagegen thermische Speichersysteme, die insbesondere in der Industrie zunehmend Anwendung finden und zur Dekarbonisierung beitragen.

Insgesamt erwartet die Branche für 2021 im Industriesegment eine deutliche Erholung des Speichermarktes. Treiber sind hier speziell die flexible Sektorenkopplung in Richtung Wärme, der Trend zur Elektromobilität mit cleveren Ladelösungen inklusive Speicher sowie Eigenversorgungslösungen mit grünem Strom bis zu grünem Wasserstoff. „In Deutschland denkt man immer noch, dass Flexibilität nicht nötig ist“, so Urban Windelen. Wenn sich das ändert, werden sich auch Speicher für die Lieferung von Regelleistung rechnen. Behalten Sie die Entwicklung in der Windenergie im Blick. Abonnieren Sie dazu einfach unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

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Foto: 3 Energie Consulting Heimspeicher treiben den Speichermarkt in Deutschland voran. 
Foto: Alexander Heimann/Akasol

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