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Forderung Umweltverbände

Atomkraft abschalten für mehr Netzkapazität

Umwelt- und Energieverbände weisen gemeinsam darauf hin, dass im Eckpunktepapier der Parteien zu Sondierungsgesprächen die Atomkraft nicht erwähnt wird. Gefordert wird ein frühzeitiges Abschalten der Meiler, um Risiken zu vermeiden und die Stromnetze für die Aufnahme von Regenerativstrom zu entlasten.

Brokdorf Atomkraftwerk
 - Das Kernkraftwerk in Brokdorf.
Das Kernkraftwerk in Brokdorf.
pixabay

Nach dem Motto "Gemeinsam stark" haben sich Verbände zusammengeschlossen, um in einem Offenen Brief die Parteivorsitzenden von SPD, CDU und CSU darauf aufmerksam zu machen, dass das Sondierungspapier jegliche Aussage zur Atomkraft vermissen lässt. Die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband Windenergie (BWE) und das Umweltinstitut München wollen klarstellen, dass die sieben noch laufenden Atomkraftwerke ein Sicherheitsrisiko bedeuteten und Atommüll produzierten.

Darüber hinaus bremen die Atomkraftwerke die erneuerbaren Energien aus. Windenergieanlagen, so heißt es in einer Presseerklärung, würden wegen angeblicher Netzengpässe immer wieder abgeregelt, während die AKW gleichzeitig nahezu ungedrosselt weiterliefen. Damit sich der Ausbau erneuerbarer Energien weiter lohnt, müssten Atomkraftwerke schneller vom Netz gehen.

Bis Sommer 2018 steht die Überarbeitung des Atomgesetzes an. Bis dahin müsse verhindert werden, dass weiterer Strommengen auf die noch laufenden AKW übertragen werden. Der konkrete Vorwurf: Während Windenergieanlagen wegen angeblicher Netzengpässe immer wieder abgeregelt werden, laufen die Atomkraftwerke nahezu ungedrosselt weiter und verstopfen die Leitungen, die der Windstrom nutzen könnte. Die Verbände nennen das Weihnachtswochenende 2017 als Beispiel, als in Deutschland über längere Zeit ein Überangebot an Strom vorhanden war und zu negativen Strompreisen führte. Zu dieser Zeit leisteten die Atomkraftwerke laut Verbänden mindestens noch 5,5 Gigawatt. Das widerspreche den bestehenden Regelungen zum Einspeisevorrang. So würden unnötige Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verursacht, welche über die Netzentgelte private Haushalte, Gewerbe, Handel und Industrie belasten.

Im Rahmen des deutschen Atomausstiegs ist Block B im schwäbischen Gundremmingen Ende 2017 abgeschaltet worden. Der weitere gesetzliche Ausstiegsfahrplan sieht vor, dass mit Philippsburg 2 nur ein weiteres AKW Ende nächsten Jahres vom Netz gehen soll. Alle weiteren sechs AKW sollen dann erst Ende 2021/22 abgeschaltet werden. Die Verbände fordern, die anstehende Überarbeitung des Atomgesetzes müsse dazu genutzt werden, eine frühere Abschaltung der AKW zu erreichen und die gleichzeitige Abschaltung vieler AKW 2021/2022 zu verhindern und Atomkraftwerke, die dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Wege stehen, schneller vom Netz zu nehmen. Die Übertragung von Reststrommengen sollte zudem untersagt werden.

Die Atomkraft geht durch die niedrigen Kosten erneuerbarer Energien weltweit ihrem Ende entgegen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks nannte die Atomkraft zuletzt einen "technologischen Irrweg". In den USA wurde im Jahr 2017 erstmals seit dem Jahr 1984 wieder in einem Monat mehr Energie aus alternativen Quellen als aus Atomkraft erzeugt.

(Nicole Weinhold)