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Neuer Index

Schweden führt die Energiewende an

Schweden ist weltweit Vorreiter bei der Energiewende. Das geht aus einem Index hervor, den das Fraunhofer ISE entwickelt hat. In Deutschland gibt es noch Einiges zu tun.

Schweden Soalrpark Installation
 - Ein eher seltener Anblick in Schweden: Solarstromanlagen sind hier nicht weit verbreitet. Die Skandinavier punkten vor allem mit großen Wasserkraftwerken, die bei Ausbau der erneuerbaren Energien hier eine große Rolle spielen.
Ein eher seltener Anblick in Schweden: Solarstromanlagen sind hier nicht weit verbreitet. Die Skandinavier punkten vor allem mit großen Wasserkraftwerken, die bei Ausbau der erneuerbaren Energien hier eine große Rolle spielen.
Maria Fallström/Glava Energy

Bisher sieht sich Deutschland immer als das Vorreiterland bei der Energiewende. Schweden ist mit der Energiewende aber schon erheblich weiter gekommen. Auch Brasilien und Italien hat in Puncto Energiewende schon mehr geschafft. Deutschland liegt zusammen mit Japan und Großbritannien auf Platz vier des Rankings von 17 Staaten, die das Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme (ISE) in Freiburg untersucht hat. Zusammen mit der International Solar Energy Society (ISES) haben die Freiburger einen „Energy Transformation Index“ (ETI) entwickelt. „Bislang gab es keinen methodischen Ansatz, mit dem wir den Fortschritt einzelner Länder und Regionen auf dem Weg zur Energiewende quantitativ beschreiben könnten“, erklärt Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE, die Notwendigkeit des neuen Index‘. „Der nun entwickelte ETI erlaubt es erstmals, die Situation eines Landes diesbezüglich durch eine griffige Zahl zu beschreiben. Im Vergleich zu anderen Staaten zeigt sich dabei, dass die Energiewende hierzulande gar nicht so weit fortgeschritten ist, wie es allgemein angenommen wird“, fasst Weber die Ergebnisse zusammen.

Ein Punkt aus Zubau und Energieeffizienz

Die Grundlage für den ETI ist ein zweiachsiges Diagramm. Auf der x-Achse wird dabei der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Strommix dargestellt. Als Ziel definierten die Freiburger Forscher den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien. Auf der y-Achse wird die Energieeffizienz als Quotient von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dem Energieverbrauch dargestellt. „Die hier definierte Energieeffizienz ist das Inverse der bekannten Energieintensität des BIP, die beschreibt, wie viel Energie man benötigt, um eine Einheit des GDP zu produzieren“, erklärt Eicke Weber. „Der inverse Betrag, der beschreibt, wie viel Dollar an Wirtschaftsleistung man für eine Energieeinheit erhalten kann, sollte so groß wie möglich sein und ist daher als Ordinate eines derartigen Graphen gut geeignet.“ Als Ziel der Energieeffizienz wählten die Entwickler des ETI zwei Dollar pro Kilowattstunde, also etwa das Doppelte der heutigen Effizienz in Deutschland.

Zahl zur Beschreibung der Energiewende

Aus beiden Angaben haben die Wissenschaftler des Fraunhofer ISE und des ISES eine griffige Zahl entwickelt, mit der das Voranschreiten der Energiewende in einem Land beschrieben werden kann. Dazu wird der Anstieg der Geraden im Koordinatensystem in Bezug zu einem idealen Anstieg von 45 Grad gesetzt. Die Abweichung wird danach durch die Länge des Vektors vom Ursprung des Koordinatensystems bis zum derzeitigen Punkt, der sich aus dem Anteil der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ergibt, geteilt. Dieser Quotient ergibt dann den jeweiligen ETI für das einzelne Land. „Der erste Ansatz war, die Länge des Vektors vom Ursprung (0,0) mit dem jeweiligen Punkt für ein spezifisches Land zu berechnen, und diese Länge durch die Länge des optimalen Vektors zu teilen“, erinnert sich Eike Weber. „Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass dieser Ansatz Abweichungen auf dem Weg zum idealen Punkt belohnen würde. Denn Länder, die zunächst nur einen der beiden Faktoren betonten, schnitten besser ab als Staaten, die bereits auf dem idealen 45-Grad-Weg voranschritten.“

Energiewende künftig regelmäßig beobachten

ETI-Ranking 2013
 - Noch liegt Deutschland auf dem vierten Platz. Ob das so bleibt, hat die künftige Bundesregierung in der Hand. Setzt sie die Vorschläge, die im Koalitionsvertrag stehen, tatsächlich um, wird die Bundesrepublik im nächsten ETI-Ranking sicher weiter unten auftauchen.
Noch liegt Deutschland auf dem vierten Platz. Ob das so bleibt, hat die künftige Bundesregierung in der Hand. Setzt sie die Vorschläge, die im Koalitionsvertrag stehen, tatsächlich um, wird die Bundesrepublik im nächsten ETI-Ranking sicher weiter unten auftauchen.
Fraunhofer ISE

Fraunhofer ISE und die ISES wollen in Zukunft regelmäßig das Voranschreiten der einzelnen Staaten auf der Basis des ETI untersuchen und die Ergebnisse veröffentlichen. Im ersten Ranking liegt Schweden mit einem ETI von 40 Punkten auf dem ersten Platz, knapp gefolgt von Brasilien mit einem ETI von 39 Punkten. Auf dem dritten Platz liegt Italien mit einem ETI von 34 Punkten. Deutschland liegt aber damit immer noch mit fünf Punkten über dem ETI-Index der gesamten Europäischen Union. Ob das so bleibt oder ob die Bundesrepublik weiter nach hinten rutscht, hängt von den Beschlüssen der künftigen Regierungskoalition und deren Umsetzung ab. Schlecht steht es bisher um die Energiewende in den USA. Trotz guter Aussichten für die Nachfrage am Photovoltaikmarkt und guter Zubauzahlen in diesem Jahr schaffen es die Vereinigten Staaten nur auf einen ETI von 18 Punkten und liegen gleichauf mit dem Nachbarn Mexiko. Am Ende des Rankings liegen China mit einem ETI von elf Punkten und Südkorea mit einem ETI von zehn Punkten. „Künftig möchten wir jährlich ein derartiges Ranking veröffentlichen, um zu dokumentieren, welche Länder die Energiewende ernsthaft angehen, und wer dabei zurück bleibt“, erklärt Weber. Als Basis sollen dabei die Werte für die 82 wichtigsten Staaten berücksichtigt werden. „Wir erwarten, dass diese regelmäßige Veröffentlichung einen weiteren Ansporn liefert, die globale Aufgabe der Energiewende auch wirklich effektiv anzugehen“, sagt Weber. (Sven Ullrich)