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Welche Länder profitieren von ambitionierter Klimaschutzpolitik? Wer muss wirtschaftliche Einbußen hinnehmen? Eine neue Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat für 169 Staaten der Erde untersucht, wie der Kampf gegen die Erderhitzung auf Vermögenswerte wirkt und welche geopolitischen Herausforderungen und Chancen sich daraus ableiten.
Das Ergebnis: Länder, die durch den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle stark benachteiligt sind, stellen nur sechs Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Länder in Afrika können hingegen von ihrem enormen Solarenergie-Potenzial profitieren, fasst das PIK in einer Presseinformation zusammen.
So beeinflusst Klimapolitik nationale Vermögenswerte
Der von dem Forschungsteam zusammengetragene Datensatz zeigt demnach, wie Klimapolitik auf vierfache Weise die nationalen Vermögenswerte beeinflusst:
1. Sie verringert die Nachfrage nach fossilen Energien und schmälert tendenziell Einnahmen aus Öl, Gas und Kohle.
2. Sie verringert klimabedingte Schäden für die Volkswirtschaft.
3. Sie macht die Entwicklung von Solar- und Windenergie lukrativ.
4. Sie erhöht den Wert der Kapazitäten eines Landes, CO₂ aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern – sei es „natürlich“ über Wälder oder „gemanagt“ über die Bewirtschaftung von Naturflächen.
Politische Spannungen können auf Verlusten fußen
„Auf Basis unserer Datenanalyse können wir aufzeigen, wie Länder aufgrund der verschiedenen Aspekte der Dekarbonisierung bis zum Ende dieses Jahrhunderts gewinnen oder verlieren könnten, je nach Ambitionsniveau der Klimapolitik“, berichtet Guanna Pan, PIK-Forscherin und Leitautorin der Studie. „Wir erkunden geopolitische Spannungen, die sich daraus ergeben können, dass einige Länder Verluste erleiden. Aber wir zeigen auch, wie nationale Interessenlagen internationale Zusammenarbeit begünstigen – und wie sich diese durch gezielte Anreize weiter stärken lässt.“
Arme Länder können viel gewinnen
Um die absehbaren ökonomischen Gewinne und Verluste länderübergreifend besser zu verstehen, habe das Forschungsteam Cluster identifiziert – also Gruppen von Staaten, in denen die Klimapolitik ähnliche Chancen und Risiken erzeugt, sodass sie also potenziell gemeinsame Interessen verfolgen. Potenziell abgeneigt gegen ambitionierte Maßnahmen sind demnach 19 von fossilen Brennstoffen abhängige Länder. Ausgeprägtes Interesse an einer schnellen Klimawende haben dagegen 51 Länder im globalen Süden, bei denen andernfalls die Klimaschäden besonders groß werden. Auch 13 Länder „mit hohem Potenzial für erneuerbare Energien“, in der Mehrzahl in Afrika, und 17 Länder „mit hoher Kohlenstoffbindungskapazität“ sind beim Kampf gegen die Erderhitzung naturgemäß für Tempo.
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Das Problem: Diese vier Cluster haben nicht allzu viel politisches Gewicht: Die Gruppe der Öl-, Gas- und Kohle-Länder hat laut Studie nur sechs Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, und die drei Ländergruppen mit potenziell besonders ausgeprägten Vermögensvorteilen durch Klimaschutz haben zusammengenommen lediglich 13 Prozent.
Was reiche Nationen zögern lässt
Die übrigen 81 Prozent der Wirtschaftsleistung entfallen laut PIK auf das fünfte Cluster – die 69 „Volkswirtschaften mit moderaten Auswirkungen“ –, darunter die EU, China und auch die USA. In diesem Cluster seien die ökonomischen Vorteile durch Klimapolitik zwar absolut gesehen in vielen Fällen beträchtlich, insbesondere durch vermiedene Klimaschäden. Aber prozentual gerechnet seien sie nicht so groß wie bei den drei Clustern mit den ausgeprägten Gewinnern. Das zeige die Herausforderung, dass die größten Wirtschaftsmächte möglicherweise nicht diejenigen sind, die das stärkste vermögensbezogene Interesse an Klimaschutzmaßnahmen haben, schreiben die Forscher. Sie empfehlen, bei auseinanderliegenden Interessenlagen die Klima-Kooperation mit „Paketdeals“ zu stärken. Das bedeutet, zögerlichen Ländern Zugeständnisse beim Klimaschutz mit Zusicherungen bei Handel oder bei Forschung und Entwicklung zu koppeln oder auch Vermögensnachteile mit Finanztransfers auszugleichen.
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„Mit Blick auf den aktuell wieder stärkeren Gegenwind gegen eine engagierte Klimapolitik ist die Erkenntnis wichtig, dass Klimapolitik nicht nur bestimmtes Vermögen entwertet, nämlich das der Anbieter von fossilen Energieträgern“, betont Ottmar Edenhofer, PIK-Direktor und ein Co-Autor. „Diese Studie zeigt auch recht präzise, wie zugleich neue Vermögenswerte aufgebaut werden. Insgesamt wird durch Klimapolitik der Kapitalstock der Volkswirtschaften neu und nachhaltig bewertet und dadurch der langfristige Wohlstand abgesichert.“