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Neue Wartungsangebote für mehr Lebensdauer der Windkraftanlage

Nicole Weinhold

Manchmal kann es sich lohnen, seinen Windpark nachzurüsten, um den Instandhaltungsaufwand zu minimieren. Italiens führender Ökostromproduzent ERG hatte in den vergangenen Monaten immer mehr Wartungsarbeiten in seinen Windparks zu bewältigen. Deshalb wurde ein umfassendes Modernisierungsprogramm angestoßen. In diesem Rahmen soll auch die Schmierung von mehr als 100 Windenergieanlagen in sieben Ländern automatisiert werden soll. Zentralschmiersysteme sollen den Wartungsaufwand gerade an entlegenen und schwer zu erreichenden Windturbinen minimieren. Ussamah Hanif von SKF Lubrication Systems Germany erklärt Sinn und Funktion der Zentralschmierung.

50 Prozent der Lagerschäden wegen unzureichender Schmierung

50 Prozent der Lagerschäden entstünden wegen unzureichender Schmierung, 14 Prozent durch Verunreinigung und 36 Prozent durch Mangelschmierung. "Diese Schäden kann man ausmerzen. Wir vermeiden Über- und Unterschmierung und verlängern Serviceintervalle", so Hanif. Mit Zentralschmierung seien nicht mehr 1,5 Tage Wartung für zwei Mann pro Jahr nötig, sondern es müssten nur noch die vorhandenen Pumpen befüllt werden. "Das kann jeder, das muss nicht SKF machen. Das reduziert Arbeitskosten und erhöht die Rentabilität", so der SKF-Mann. "Es gibt außerdem weniger ungeplante Standzeiten." Erreicht werden bis zu 60 Schmierstellen an Azimut-, Generator- und Hauptlager sowie Pitchverstellung.

Verbesserte Turbinenfunktion und verlängerte Wartungsintervalle

Der italienische Ökostromproduzent ERG hat Windparks mit 1,1 Gigawatt (GW) in Italien installiert. Seit 2013 hat er eine eigene Serviceflotte. Diese hatten mit hohen Stillstandzeiten auch in abgelegenen Regionen an weit entfernten Anlagen zu kämpfen. "Eine Anlage von 13 Standorten stand immer", so Hanif. Darum wurde nun die weitgehend manuelle Schmierung auf Zentralschmierung upgegraded. Dafür wurden Pitch- und Hauptlager erstmal mit Fett durchgespült. Pumpen wurden ersetzt oder instandgesetzt. Das Resultat seien laut dem SKF-Mitarbeiter eine verbesserte Turbinenfunktion und verlängerte Wartungsintervalle. Eine längere Lebensdauer wird erwartet, weil weniger Wassergehalt im Fett ist. Viele Hersteller verzichten laut Hanif auf eine Zentralschmierung, andere wie etwa Enercon setzen schon lange auf Zentralschmierung.

Ertüchtigung von Hybridtürmen

Neben dem Maschinenhaus verdient auch der Turm einen genauen Blick des Service-Monteurs. Auch an Hybridtürmen der neueren Baureihen können Risse und Abplatzungen am Beton auftreten. Insbesondere die hochdynamisch beanspruchten Adapterelemente im Übergangsbereich vom Beton- auf den Stahlturm sind dabei im Fokus. "Risse, die dabei teilweise durch die gesamte Konstruktion gehen, müssen vor eindringendem Wasser geschützt werden", sagt Klaus Deininger von der KTW Umweltschutztechnik GmbH. Hochelastische, langzeitgetestete Abdichtungssysteme finden damit laut Deininger auch in großen Höhen ihren Einsatz. Bei Abplatzungen oder notwendigen Tragwerksverstärkungen können Sheets auf CFK-Basis (carbonfaserverstärkte Kunststoffe) verwendet werden. "Durch den Einsatz von herkömmlicher Bühnentechnik ist das kostengünstig", so der KTW-Mann.

Risse in ATS-Hybridturm

Er zeigt auf den Branchentagen Windenergie NRW Bilder von einem ATS-Hybridturm mit großen Fugen und lange Rissen dort, wo Beton in Stahl übergehen - bis 0,4 mm breite Risse, einen Meter lang. "Diese Risse sind nicht oberflächlich, sondern gehen durch den Beton und führen auch Wasser." FGW habe eine Technische Richtlinie entwickelt zu Tragfähigkeit. Außerdem wurde eine Fibel beim BWE entwickelt, die Schadensfälle und deren Sanierung erklärt. Diese Infomaterialien würden eine Richtung vorgeben, ob ein Turm noch tragfähig ist.

Rost an Max-Bögl-Turm

Deininger zeigt einen Max-Bögl-Turm, dessen erstes Stahlsegment in 80 m Höhe ansetzt, dort sieht man eine Stahlkappe, darunter Risse, es rostet. "Wir entrosten das. Fugenband und Polysulfide setzen wir im Hochbau ein", so Deininger. Bezüglich der Sanierung des Windkraftsockels mit einer Polyurethan-Abdichtung erklärt er, das Material gehe nicht in die Risse hinein. Aber es sei elastisch, die Risse würden dabei überbrückt. Hinzu kommt eine Endbeschichtung.

Schäden an Raketentürmen von Enercon

Dann zeigt Deininger das Bild eines sogenannten Raketenturms von Enercon, an dem man große Ausbrüche sieht. "Das ist ein ungenügender Zustand, es muss etwas passieren. 75 Prozent der Raketentürme von Enercon sind betroffen", so Deininger. Eine erste Anlage sei vor ein paar Wochen saniert worden, betroffen seien E-141 und E-126. Sanierungskosten in Höhe von 36.000 Euro wäre bei diesem Schaden laut Deininger möglich gewesen, aber stattdessen habe Max Bögl eine aufwendige und teure Stahlummantelung gemacht.

Sicherheit unterirdischer Leitungen

Auch unterirdisch kann viel kaputt gehen. Wie steht es eigentlich um die Sicherheit und den Funktionserhalt unterirdischer Leitungsinfrastruktur in Deutschland?

Ob als Betriebsführer oder Projektierer während der Planungs- und Bauphase benötigt man Informationen bezüglich der Lage unterirdischer Leitungsverläufe für den sicheren, unterbrechungsfreien Einspeisungsbetrieb. Eva Benz von der BIL eG erklärt, die Sorgfaltspflichten zur Einholung von Leitungsauskünften ließen sich nur dann umfassend erfüllen, „wenn man weiß, wen man fragen muss. Die eigenen Leitungen lassen sich vor Schäden durch Fremdberührung nur dann gut schützen, wenn man Kenntnis über betreffende Baumaßnahmen hat." Die BIL eG löst diese Aufgaben gemeinschaftlich.

Informationssystem für Leitungsrecherche

"Wenn ich Tiefbauarbeiten habe: woher weiß ich, wo ein Kabel ist? Über unsere Website können Sie die entsprechenden Fragen stellen", so Benz. es würde auch gefragt, welche Leitungen erwarten uns, wenn wir unsere Anlage mit Netzanschluss planen. Und umgekehrt, könne ein Windparkbetreiber wiederum einzeichnen, wo er eine Leitung gelegt hat, damit diese nicht bei Arbeiten getroffen wird. Das bundesweite Informationssystem für Leitungsrecherche von BIL funktioniert so, dass alle, die etwas planen, alle Netzbetreiber auf einen Schlag ansprechen. Windparkplaner X muss also nicht mehr alle Netzbetreiber anfragen, ob sie dort Kabel haben. 2018 gab es fast 100.000 Anfragen von Unternehmen, die etwas geplant haben. Das BIL-Portal ist Anfang 2016 online gegangen. Gestartet ist es mit Pipelines für Gas, Öl, Chemie. Inzwischen sind 76 Netzbetreiber dabei.