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Tagung Zukünftige Netze: Systemstabilität und Versorgungssicherheit sind Schlüsselfaktoren 

Stromnetze sind keine Randnotiz mehr im Energiesystem in Deutschland. Was zu Zeiten einer großteils fossilen Energieversorgung vielleicht noch der Fall gewesen ist, hat sich in den letzten Jahren zu einer der meistdiskutiertesten Baustellen der Energiewende entwickelt. Drehten sich in den letzten Jahren die Debatten viel um die Geschwindigkeit des zusätzlichen Netzausbaus, schieben sich systemisch Fragen rund um Flexibilität, Sicherheit und Entgelte immer mehr in den Vordergrund. Dieser Wandel konnte Jahr für Jahr auf der Tagung Zukünftige Netze nachempfunden werden. Auch in diesem Jahr rückten, aufgrund der Ereignisse in Spanien und Berlin, die systemischen Fragen in das zentrale Interesse der Referentinnen und Referenten. 

Mittelweg zwischen Versorgungssicherheit und Ausbautempo

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, machte deutlich, dass der Netzausbau eine Investitionsaufgabe ist. Die Regierungskoalition würde für  Investitionen werben und habe den Eindruck, dass internationale Geldgeber sich für das deutsche Stromnetz interessieren. Das würde bedeuten, dass „die Generationsaufgabe“ Vertrauen genießt, aber ebenso eine Verantwortung in die Hände gelegt wurde. „Wenn wir jetzt nicht klug vorgehen, dann tragen die nächsten die Lasten“, bekräftigte Frank Wetzel. 

Aktuelle Ereignisse wie die Stromausfälle in Spanien und Berlin würden zeigen, dass Resilienz mehr in das Zentrum der Betrachtung rückt. Die Schlüsselfaktoren dafür seien marktseitige und netzseitige Versorgungssicherheit, Systemstabilität und die Krisenvorsorge. Zusätzlich ändern sich die Bedingungen des Netzzubaus dynamisch, sodass Lösungen gefunden werden müssen, die schnell umzusetzen sind.

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf der Tagung zukünftige Stromnetze

Fabian Kauschke

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf der Tagung zukünftige Stromnetze

Für die Versorgungssicherheit von Grundlasten betonte der Staatssekretär die wichtige Rolle der beschlossenen Kraftwerksstrategie. Die Ausschreibung der Kraftwerke diene der Sicherheit der Energieversorgung und sei ein wichtiges Begleitsystem für die Energiewende. Noch in diesem Jahr sollen daher die Ausschreibungswellen beginnen. Hingegen sollte nach Wetzel, das aktuelle System der Netzanschlussverfahren überdacht werden. Die Vergabe könne nicht „first come, first serve“ bewerkstelligt werden, sondern müsse netzdienlich arbeiten. Potenzial lege zudem in der Digitalisierung. Dabei müsse ein Mittelweg gefunden werden zwischen Sicherheit und Ausbautempo. 

Was bedeutet netzdienlich? 

Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, beschrieb detailliert neue Möglichkeiten für die Entwicklung der Netzgeltsystematik. Anpassungen müssten systemisch gedacht werden im Sinne der Effizienz, beispielsweise bei der Frage nach dynamischen Netzentgelten. 

Was eigentlich netzdienlich bedeutet, erläuterte Tetiana Chuvilina, Leiterin der Abteilung Politik und Projektkommunikation von Tennet, anhand von drei Thesen. Zum einen sei die größte Flexibilitätsquelle ein starkes und gut ausgebautes Netz. Zum anderen müsse die Verortung neuer Verbraucher schnellstmöglich netzdienlich geregelt werden. Drittens brauche es verpflichtende, flexible Netzanschlussverträge. Die Marktlogik sei nicht immer netzdienlich und diese nicht immer systemdienlich. Die Übertragungsnetzbetreiber sollten daher den Ausbau beschleunigen und bestehende Anlagen optimal ausnutzen. Konkret würde das unter anderem bedeuten, 75 neue und erweiterte Umspannwerke zu bauen, einheitliche 4-ÜNB-Verfahren einzuführen und die Co-Nutzung und Teilung von Schaltfeldern möglich zu machen.

Britta Buchholz, Vizepräsidentin Aktive Verteilnetze bei Hitachi Energy, zeigte anschließend auf, wie Leistungselektronik als Schlüsselelement im Stromnetz der Zukunft agieren könnte. Erneuerbare Energien würden zur wichtigsten Energiequelle werden, womit die Volatilität und die verteilte Erzeugung zur Herausforderung werden. Leistungselektronik würde hierbei flexible Energieversorgungssysteme ermöglichen.