Die Möglichkeiten, Ökostrom in Batterien zwischenzulagern, steigen in der EU drastisch an. Im vergangenen Jahr haben die Systemanbieter 27,1 Gigawattstunden neue Kapazität von Batteriespeichern in den Mitgliedsländern aufgebaut. Das ist ein Marktwachstum um 45 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, wie die Analyse von Solarpower Europe (SPE) ergeben hat.
Damit hat sich die Batteriespeicherkapazität in der EU seit 2021 verzehnfacht, wie der europäische Solarverband mitteilt. Damals waren Batteriespeicher mit einem Volumen von 7,8 Gigawattstunden installiert. Inzwischen stehen 77,3 Gigawattstunden Speicherkapazität zur Verfügung. Dies reiche allerdings nicht aus, um ausreichend Flexibilität für die Energiewendeziele in der EU bis 2030 bereitzustellen, warnen die Analyst:innen vor zu viel Euphorie. Denn dafür wäre eine Kapazität von 750 Gigawattstunden notwendig – eine nochmalige Verzehnfachung innerhalb von nur vier Jahren.
Marktbedingungen für Großspeicher verbessert
Das Wachstum im vergangenen Jahr wurde vor allem vom starken Ausbau von großen Speicherprojekten angetrieben. Dieses Segment deckte mit rund 15 Gigawattstunden 55 Prozent des gesamten Zubaus an Speichervolumen ab – ein neuer Rekord. Dies markiere einen klaren Schwenk auf dem Markt weg von den Heimspeichern, die in der Vergangenheit den Zubau angetrieben haben, hin zum Großspeicher – entweder in Kombination mit Solar- und Windparks oder als Standalone-Speicher zur direkten Stabilisierung von Netzen. Die Analyst:innen von SPE führen dies unter anderem auf die verbesserten Marktbedingungen aufgrund der gesunkenen Preise und die passenden Regularien in immer mehr europäischen Ländern zurück.
Mehr Gewerbespeicher installiert
Das Segment der Heimspeicher musste hingegen einen Rückgang hinnehmen. Die Nachfrage ist um sechs Prozent auf 9,8 Gigawattstunden gesunken. Dies liegt einerseits an den im Vergleich zu 2022 und 2023 wieder gesunkenen Strompreisen sowie an den auslaufenden Förderungen für solche Systeme. Die Nachfrage nach Speicher für Gewerbe- und Industriebetriebe hingegen konnte ein leichtes Plus im Vergleich zum Jahr 2024 verzeichnen, bleibt aber mit rund 2,4 Gigawattstunden das kleinste der drei Marktsegmente.
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Wachstum beschleunigen
Für Walburga Hemetsberger, Geschäftsführerin von SPE, ist die Entwicklung zwar ein großer Schritt in die richtige Richtung. Doch das Ziel ist noch längst nicht erreicht. „Der europäische Speichermarkt wächst schnell und liefert die flexiblen Kapazitäten, die unser Energiesystem dringend braucht“, ordnet Walburga Hemetsberger die Marktergebnisse des vergangenen Jahres ein. „Die starke Steigerung im Segment der Großspeicher im Jahr 2025 zeigt, dass die Investoren bereitstehen, die Technologie ausgereift ist und das System klar davon profitiert. Aber wir müssen das Wachstum jetzt dramatisch beschleunigen“, sagt sie mit Blick auf den notwendigen Ausbau bis 2030. „Um die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU zu unterstützen, benötigen wir eine Speicherflotte, die geeignet ist, volle Flexibilität für ein Energiesystem bereitzustellen, das komplett auf erneuerbaren Energien basiert.“
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Europäische Lieferkette bleibt löchrig
Im aktuellen Bericht über den europäischen Markt für Batteriespeicher haben die Analyst:innen auch die Produktionskapazitäten in Europa untersucht. Das Ergebnis: Europa hat eine solide Industriebasis im mittleren Segment aufgebaut. Diese umfasst eine jährliche Produktionskapazität von Batteriezellen mit einem Volumen von 252 Gigawattstunden. Allerdings bleiben noch erhebliche strukturelle Lücken.
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So ist Europa stark bei der Produktion von Elektrolyten und Separatoren. Allerdings sind die Produktionskapazitäten von Aktivmaterialien für Kathoden und Anoden noch gering. Zudem werden über 90 Prozent der in Europa produzierten Batteriezellen ausschließlich für die Elektromobilität und nicht für stationäre Speicher hergestellt. Verschiebung von Projekten und relativ hohe Produktionskosten bleiben die Herausforderungen beim Aufbau einer eigenen europäischen Lieferkette für Batterien.
Sie finden den „EU Battery Storage Market Review 2025“ zum Download auf der Webseite von SPE.