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Landwirtschaft und Ernährung

Achtung, kein Buch für Ökos!

Ein neues Buch zur Ökobilanz unserer Ernährung hat eine frappierende Nähe zum bayerischen Landwirtschaftsministerium - und liest sich auch genauso.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Wenn Sie jemand sind, der wirklich gerne Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukt isst, sich aber zunehmend unter Druck gesetzt fühlt, über eben diese Ernährungsweise kritisch nachzudenken, der hat hier ein schönes Buch zum Lesen, das ihn herrlich beruhigen wird. Die Kernbotschaft: nein, wir müssen nicht auf Schnitzel, Currywurst und Co. verzichten. Weil: Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen. Das ist also ganz natürlich. Und: Wir in Deutschland sind nur ein Tropfen auf dem heißten Stein. Weitere Erklärungen: Der Wasserverbrauch in der Tierhaltung ist gar nicht so groß. Und: Selbst Aristoteles hat schon festgestellt, dass Tiere keine Rechte haben könnten, da sie nicht vernunftfähig seien. Ja, also dann…

Klima schützen

„Die Ökobilanz auf dem Teller – Wie wir mit unserer Ernährung das Klima schützen können.“ So lautet der Titel des neuen Buchs von Malte Rubach. Schnell fängt man beim Lesen an, sich über dieses Werk zu wundern. Dann recherchiert man, was das denn eigentlich für ein Autor ist. „Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.“ – dieses Zitat von Stanislaw Jerzy Lec schickt er seinem Buch vorweg. Der Autor schwimmt also gegen den Strom mit seinen Inhalten. Gegen den Strom der Sauertopf-Ökos und der verbissenen Veganer. Mit anderen Buchtiteln schwamm er auch schon gegen diesen Strom, etwa mit „Gesund mit Kaffee“.

Es überrascht dann auch nicht weiter, dass Rubach Mitarbeiter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist. Was aber in seinem Buch nicht gerade an die große Glocke gehängt wird, sondern wiederum der Internetrecherche bedarf.

Landwirtschaftsindustrie

An dieser Stelle möchte ich aus gegebenem Anlass ein anderes Buch empfehlen: „Die Klimaschmutzlobby – Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen“ von Susanne Götze und Annika Joeres, bei Piper ebenfalls in diesem Jahr erschienen. Bekanntermaßen wehrt sich die Landwirtschaftsindustrie vehement durch politisches Lobbying gegen jegliche Einschränkungen was Düngemittel und Pestizide anbelangt, aber auch die Tierhaltung betreffend.

Wasserfußabdruck

Interessanterweise fokussiert sich der Autor bei seinen Untersuchungen schwerpunktmäßig auf den Wasserfußabdruck, wobei er natürliche Niederschläge als grünes Wasser bezeichnet und das aus der Leitung als blaues Wasser. Dass der Spargelanbau sehr viel Wasser verbraucht, ist ein wichtiger Hinweis. Und auch die Tatsache, dass verarbeitete Produkte mehr Wasser verbrauchen – etwas Chips im Vergleich zur Kartoffel. Hülsenfrüchte hätten es in der Vergangenheit als Eiweißlieferant nicht weit gebracht, weil sie zum Teil unterirdisch wachsen, schreibt der Autor. Ich kennen nur überirdische Bohnen, Linsen, Erbsen. Aber okay. Jedenfalls wird klargestellt, dass Rindfleisch mehr Wasser benötigt pro Gramm als Hülsenfrüchte, aber Geflügel, Eier und Milch etwa genau so viel.

Die Milch macht`s

In manchen Abschnitten des Buches fällt einem dann der 80er-Jahre-Werbespruch der Milchwirtschaft „Die Milch macht`s“ ein. Mit anderen Worte, man fühlt sich wie in einem Commercial für Tierprodukte.

Gern könnte man meinetwegen die Diskussion beenden, was wie schlecht für die Umwelt ist: Wir bräuchten einfach eine CO2-Ampel für Lebensmittel. Und dort sehen Veganer dann, dass Pommes Frites nicht gut fürs Klima sind. Und auch bei Rindfleisch und Butter wäre die Ampel rot.

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