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Solarstrom für Mehrfamilienhäuser

Das Modell funktioniert noch

Mit einem neuen Projekt will Naturstrom zusammen mit einer Regensburger Wohnungsbaugenossenschaft zeigen, dass das Mieterstrommodell noch funktioniert. Das Projekt muss gut durchdacht sein und alle müssen mitziehen.

Heidelberg Mehrfamilienhaus
 - Ein Projekt, das Schule macht: Die Heidelberger Energiegenossenschaft hat die Dächer von Mehrfamilienhäusern mit Photovoltaikanlagen belegt. Sie verkauft den Solarstrom an die Mieter in den Gebäuden. Das Modell kann immer noch funktionieren, wie das Projekt von BERR und Naturstrom zeigt.
Ein Projekt, das Schule macht: Die Heidelberger Energiegenossenschaft hat die Dächer von Mehrfamilienhäusern mit Photovoltaikanlagen belegt. Sie verkauft den Solarstrom an die Mieter in den Gebäuden. Das Modell kann immer noch funktionieren, wie das Projekt von BERR und Naturstrom zeigt.
Foto: Heidelberger Energiegenossenschaft

Auch nach Inkrafttreten den neuen EEG werden Modelle der Eigenversorgung mit Solarstrom in Mehrfamilienhäusern weiterhin möglich sein. Wie es geht, zeigt ein Projekt in Regensburg. Im Stadtteil Burgweinting entsteht derzeit ein genossenschaftlich errichtetes Gebäude. Die Wohnungsbaugenossenschaft NaBau baut das „Haus mit Zukunft“, ein Mehr-Generationen-Wohnprojekt mit 35 Wohneinheiten. Das Konzept sieht vor, dass die im Haus benötigte Energie – sowohl Strom als auch Wärme – komplett aus regenerativen Quellen stammt. „Nicht nur der Strom für die Wohneinheiten, der Hausstrom, der Strom für die Elektroautoladestation und die Wärmepumpe kommt aus regenerativen Quellen“, erklärt Michael Kroll, Vorstand der NaBau. „Wir gehen einen Schritt weiter und versorgen uns zum Teil direkt mit Solarstrom vom Dach.“ Denn die Bewohner werden auf zwei der drei Dächern des Wohnprojektes Solarmodule installieren. Das dritte Dach wird mit Solarthermiekollektoren belegt. Die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 97,7 Kilowatt wird im Jahr etwa 91 Megawattstunden erzeugen. Einen großen Teil des Stroms werden die Bewohner im Gebäude selbst verbrauchen. Den Überschuss speisen sie ins öffentliche Netz ein. Den fehlenden Reststrom liefert der Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom.

Intelligente Zähler im Angebot

Die Solarstromanlage wird von der Bürgerenergiegenossenschaft Region Regensburg (BERR) betrieben. Sie bietet zusammen mit Naturstrom einen kombinierten Stromliefervertrag an. Dieser setzt sich aus dem Solarstrom vom Dach und dem von Naturstrom gelieferten Netzstrom zusammen. Dabei beträgt der Arbeitspreis 24,16 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegt er zwischen drei und vier Cent unter den durchschnittlichen Preisen des Grundversorgers. Dazu kommt noch ein monatliche Grundpreis für die Zählermiete und die Abrechnung in Höhe von 7,95 Euro. Als Variante bietet Naturstrom auch einen intelligenten Zähler an. Für die Smart-Meter-Variante verlangen die Düsseldorfer aber einen Grundpreis von 12,95 Euro pro Monat. Dieser höhere Preis ist durchaus gerechtfertigt. Denn die Smart Meter kosten nicht nur in der Anschaffung mehr, sondern müssen auch öfter geeicht werden als die bisher verwendeten Zähler. Dafür können die Daten nicht nur aus der Ferne und zeitlich höher aufgelöst ausgelesen werden. Naturstrom will mit dem Einbau der Smart Meter und einem zusätzlichen Solar-Log-System das Verbraucherverhalten der Stromabnehmer auswerten und visualisieren. Für den Energieversorger ist das ein weiterer Schritt in Richtung einer optimierten Direktversorgung. Die Hausbewohner sollen künftig ihr Nutzerverhalten ändern und den Stromverbrauch in die Zeiten verlagern, wenn die Solaranlagen die meisten Erträge liefern. „Damit verbunden wäre zukünftig auch eine differenzierte Preisgestaltung für Direkt- und Netzstrom als zusätzlicher Steuerungsanreiz für die Verbraucher denkbar“, betonen die Düsseldorfer.

Alle entscheiden sich für Solarstrom

In der Regel haben solche Vorhaben ein entscheidendes Hindernis zu überwinden. Denn weder Naturstrom noch die BERR können die Bewohner eines Mehrfamilienhauses zur Abnahme des Solarstroms zwingen. Allerdings haben sich alle Mitglieder der NaBau für die das Konzept entschieden. „Ohne die zu erwartende sehr hohe Beteiligung an der solaren Direktbelieferung wäre das Projekt womöglich nicht zu realisieren gewesen“, betont Norbert Müller, verantwortlicher Projektleiter im Geschäftsbereich Dezentrale Energieversorgung bei Naturstrom. „Dennoch sehen wir Potenzial für solche Projekte. Mit unserer Erfahrung als Öko-Energieversorger können wir ein umfangreiches Leistungspaket anbieten und in Absprache mit Genossenschaften und anderen Partnern verschieden Funktionen übernehmen.“ So wird nicht nur das gesamte Messewesen und die Auslesung der Stromzähler von den Düsseldorfern erledigt. Sie stellen auch die enerigewirtschaftlichen Dienstleistungen zu Verfügung, die mit der Ummeldung und Abrechnung der Kunden zusammenhängen.

Gelebter Genossenschaftsgedanke

Für Joachim Scherrer, Vorstand der BERR, zeigt das Projekt, dass es durchaus möglich ist, Mieter mit preiswertem Solarstrom vom Dach zu beliefern. „Der Grundgedanke unserer Genossenschaft ist, auch jenen eine aktive Rolle bei der Energiewende zu ermöglichen, die nicht über ein eigenes Dach verfügen, im ersten Schritt durch eine Beteiligung an einer unserer Photovoltaikanlagen“, sagt er. „Durch die Mietersolartarife können darüber hinaus noch weitere Haushalte von den stark gesunkenen Preisen für Sonnenstrom profitieren. Das ist ein toller Schritt auf dem Weg zu einer dezentralen, bürgernahen Energiewende.“ Dabei ist die genossenschaftliche Organisation ein zentraler Punkt des Projektes. „Das Beispiel der NaBau und BERR zeigt, dass sich Wohnungsbau- und Energiegenossenen in idealer Weise ergänzen können, um wirtschaftlich attraktiver und erfolgreicher zu sein“ erklärt Thilo Jungkunz, Geschäftsbereichsleiter Dezentrale Energieversorgung bei Naturstrom. „Für Wohnungsbaugenossenschaften und Energiegenossenschaften eröffnet sich die Chance, Ökostrom nicht nur vor Ort zu erzeugen, sondern auch direkt an die Mieter zu verkaufen und in Kombination mit vor Ort produzierter Wärme die monatlichen Energiekosten zu senken. Gebäude können so zu dezentralen Kraftwerken werden.“ (Sven Ullrich)