Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die Nachrichten über den Klimawandel klingen mehr als beunruhigend: Im Vorfeld der Klimakonferenz COP 31 in Antalya warnen Klimaschützer vor dem viel zu schnellen Anstieg der globalen Temperaturen. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen, wie den weltweit schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien und den Umstieg auf E-Mobilität.
In Deutschland liefern der Reformprozess des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und des geplanten Netzpakets den Rahmen für die zentrale Diskussion: Müssen wir Tempo aufnehmen bei der Transformation des Energiesystems, um die Klima- und Ausbauziele zu erreichen? Oder haben wir schon so viel geschafft beim Ausbau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen und sollten deshalb langsamer voranschreiten, damit die Infrastruktur nachziehen kann?
Beschleunigen, nicht die Bremse treten
Eine deutliche Antwort auf diese Fragen liefert eine umfangreiche Studie, die im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung am Energieforschungszentrum Niedersachsen (efzn) erstellt und jetzt bei den Niedersächsischen Energietagen vorgestellt wurde. Für die „Scope-Studie“ verglichen die Forschenden zunächst in einer Meta-Analyse aktuelle Szenariostudien. Die dabei zutage getretenen, zum Teil massiven Abweichungen wurden in einem sogenannten Sounding Board mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft beraten, bevor dann eigene Energiesystem-Modellierungen erstellt wurden. Die zentrale Botschaft der daraus resultierenden 650 Seiten lautet: Wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen im Gegenteil die Transformation beschleunigen, wenn wir am Ziel einer Treibhausgasneutralität bis 2045 festhalten.
Zuwachs Erneuerbare: Die Welt ist trotz Rekord nicht auf Kurs
Denn auch wenn der Umbau unserer Energieversorgung teuer wird – Abwarten kostet noch viel mehr, ermittelten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Eine Verzögerung beim Ausbau der Erneuerbaren, beim Umstieg auf E-Mobilität und Wärmepumpen sorgt demnach für zusätzliche Kosten von 430 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg der modellierten Gesamtkosten von 12 Prozent. Grund für die Teuerung sind vor allem erheblich höhere Kosten für Energieimporte. Hinzu kommt: Vermeintliche Einsparungen durch zeitlich verschobene Investitionen können diese Importkosten mittelfristig nicht kompensieren, da sie nachgeholt werden müssen.
Deutliche Steigerung beim Ausbau der Windenergie nötig
Die Studie schlägt daher ein deutlich höheres Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren vor.
- Bei Windenergie auf See wäre eine jährliche Neuinstallation von kontinuierlich drei bis vier Gigawatt pro Jahr bis 2040 nötig.
- Für Windenergie an Land müssten neun Gigawatt jährlich bis 2035 erreicht werden – etwa doppelt so viel wie 2025.
- Bei der Photovoltaik müsste die Dynamik beibehalten und der Ausbau bei 20 Gigawatt pro Jahr stabilisiert werden.
Zentral ist außerdem die Bereitstellung von Flexibilitäten und Speichern von jeweils rund 80 GW, um die fluktuierende Erzeugung auszugleichen. Die Studie zeigt zudem: Langfristig gehen die Vollaststunden der Kraftwerke auf wenige hundert Stunden im Jahr zurück.
Neuer Plan offshore: 70 GW trotz weniger Parks und weniger Netzanbindungen
Strombedarf steigt bis 2035 um mindestens 250 TWh
Zentrale Grundlage für solche Modellierungen ist der Energieverbrauch: Wie stark steigt der Strombedarf – oder sinkt er durch Effizienzgewinne? Im Jahr 2024 lag der Bruttostromverbrauch bei 527 Terawattstunden (TWh). Die Scope-Studie ermittelte einen erheblichen Anstieg von mindestens 250 TWh bis 2035 und rund 800 TWh bis 2045.
Die Studie zeigt auch, dass sich die Kostenstruktur in der Energiebranche deutlich ändert – weg von hohen Ausgaben für Energieimporte hin zu Investitionen und Ausgaben für Betrieb und Wartung. Dabei berechneten die Forschenden in ihrer Modellierung eine Verdreifachung der Kosten für Investitionen zwischen 2025 und 2035 von 20 auf rund 65 Milliarden Euro pro Jahr. Entsprechend stiege auch die Bedeutung der Finanzierungskosten. Stabile politische Rahmenbedingungen könnten diese Kosten senken.
Die vollständige Studie „Szenarien, Optionen und Parameterräume für aktuelle energiepolitische Entscheidungsprozesse (SCOPE)“ ist auf der Website des efzn zu finden.