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Photovoltaik in der Musikindustrie

Begehbare Energiewende

Das MELT-Festival will im nächsten Jahr eine Bühne mit erneuerbaren Energien betreiben. Derzeit wird das Konzept ausgearbeitet. Damit fügt es sich in das Gesamtkonzept des Veranstaltungsortes Ferropolis ein.

Ferropolis Solaranlage
 - Alt neben Neu: In Ferropolis wird die Energiewende sichbar. Hier stehen alte Braunkohlebagger neben einer neu installierten Solaranlage.
Alt neben Neu: In Ferropolis wird die Energiewende sichbar. Hier stehen alte Braunkohlebagger neben einer neu installierten Solaranlage.
Foto: Ferropolis

Das MELT-Festival in Ferropolis, einer Halbinsel im Gremminer See in Sachsen-Anhalt, will im nächsten Jahr eine sogenannten Sunplugged-Bühne betreiben. Zum Auftakt der Berlin Music Week stellten die Initiatoren das Projekt vor. „Wir wissen, wie viel Energie wir brauchen“, erklärt Jacob Bilabel, Gründer der Green Music Initiative. „Aber bisher hat das noch niemand gebaut. So wird es sicher nicht die Hauptbühne sein, die wir mit erneuerbaren Energien betreiben, aber eine der kleineren Bühnen.“ Das Problem ist die Dimensionierung der Anlagen zur Stromerzeugung und der entsprechenden Speicher. „Seit Juni dieses Jahres sitzen Experten zusammen und bearbeiten dieses Problem“, sagt Bilabel. Aber „die kleine Bühne bekommen wir im nächsten Jahr von den Speicherdimensionen auf jeden Fall hin“, ergänzt Jörg Gehler, Produktmanager bei Q-Cells.

Festival mit Photovoltaikstrom betreiben

Der Photovoltaikhersteller aus Wolfen-Bitterfeld hat schon im letzten Jahr die Solaranlage auf den Dächern des Veranstaltungsortes Ferropolis installiert. Insgesamt liefern jetzt 2.000 Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 210 Kilowatt jährlich etwa 189.000 Kilowattstunden sauberen Solarstrom. „Damit erzeugt die Anlage mehr als doppelt so viel Strom, wie wir für das Festival aus dem Netz beziehen“, so Bilabel. Er gibt den Stromverbrauch des MELT-Festivals mit 80.000 Kilowattstunden an. Doch bisher speist die Anlage den Strom komplett ins Netz ein und der Betreiber bezieht dann wiederum seinen Strom aus dem Netz. Das soll sich ändern. „Wir wollen nicht nur rein rechnerisch das Festival mit Photovoltaikstrom versorgen, sondern wir wollen das auch tatsächlich tun“, steckt Jacob Bilabel das Ziel ab.

Energiewende im kleinen Maßstab vorführen

Damit fügt sich das Festival in das Gesamtkonzept des Veranstaltungsortes ein. „Wir wollen in Ferropolis jetzt das postfossile Zeitalter einläuten“, erklärt Thies Schröder, Geschäftsführer von Ferropolis. Dort stehen die Prototypen von Anlagen zur Braunkohleförderung, die jahrelang das Gesicht der Region geprägt hat. Es geht um die Stromgewinnung aus erneuerbare Energieanlagen „an einem Ort, wo vorher fossile Energieträger verstromt wurden“, so Schröder. Man will damit die Energiewende begehbar machen. Um sich von den Stromversorgern unabhängiger zu machen, will Ferropolis jetzt auch Speichertechnologien als nächsten Schritt der Energiewende im kleinen installieren. „Wir werden in den nächsten Monaten Angebote von zwei Speicherherstellern auf dem Tisch haben, die sich Gedanken machen, wie man das umsetzen kann“, sagt der Geschäftsführer von Ferropolis. Der Photovoltaikhersteller Q-Cells will das Projekt unterstützen. „Wenn man das hier im kleinen Maßstab zeigt, wie die Energiewende funktioniert, hat das Strahlwirkung auch auf andere“, sagt Jörg Gehler. (Sven Ullrich)