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Handlungsempfehlungen des IÖW

Eigenverbrauchspotenziale heben

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat die Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht, welchen Vorteil Eigenverbraucher von Solarstrom für die Energiewende bringen und wie sie besser in das Gesamtsystem integriert werden können. Zusammen mit den Forschern der RWTH Aachen und der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung haben die Wissenschaftler des IÖW Empfehlungen für die Politik herausgearbeitet, wie die Rahmenbedingungen zu setzen sind, um das Potenzial der sogenannten Prosumer für die Energiewende besser heben zu können. „Die richtige Förderung und Rahmensetzung ist entscheidend dafür, ob und wie Prosumerhaushalte zur Energiewende beitragen können“, betont Swantje Gährs, die von Seiten den IÖW an der Ausarbeitung des Strategiepapiers für die politischen Entscheidungsträger federführend beteiligt war.

Netzentlastung belohnen

Wichtig für solche Eigenverbraucher, die den überschüssigen Solarstrom ins Netz einspeisen, sind vor allem stabile Rahmenbedingungen. Sie brauchen Planungs- und Investitionssicherheit. Andernfalls wird die Politik die Potenziale der Eigenverbraucher verspielen. „Zum einen muss ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage gewährleistet sein, um einen Anreiz für Eigenversorgung zu schaffen“, erklärt Gährs. „Um dies überhaupt verlässlich einschätzen zu können, ist es zum anderen wichtig, den rechtlichen Rahmen für Prosumerhaushalte möglichst wenig komplex zu gestalten.“

Da durch erhöhten Eigenverbrauch die verbleibenden Kosten des öffentlichen Stromnetzes auf weniger Verbraucher aufgeteilt werden müssen, ist das Forschungsteam der Ansicht, dass die teilweise Belastung des eigenverbrauchten Ökostroms perspektivisch gerechtfertigt ist. Schließlich muss auch für den Eigenverbraucher ein Stromnetz vorgehalten werden. Allerdings ist es bei der Entscheidung, in welchem Maße dies geschehen könnten, sehr wichtig, dass die vermiedenen Netzkosten durch den Eigenverbrauch dabei mit einfließen.

Sektorkopplung konsequent nutzen

Denn Eigenverbraucher sind nicht nur potenziell aufmerksamer, was ihren Stromverbrauch angeht. Sie können auch steuern, in welchem Maße sie den Strom ins Netz einspeisen und damit sind sie potenziell eher netzentlastend und reduzieren den Netzausbaubedarf. „Auf diese Weise können sie ein wichtiger Baustein im erneuerbaren Energiesystem der Zukunft werden“, betont Swantje Gährs, „Aber nur, wenn sichergestellt ist, dass die Anlagen auch so betrieben werden, dass dies der Stabilität des gesamten Systems dient.“ Deshalb empfehlen die Forscher eine gezielte Kappung der Einspeiseleistung bei Netzüberlastung. Das kann durch den erhöhten Eigenverbrauch in Zeiten geschehen, in denen die Einspeiseleistung aus den ausschließlich ins Netz einspeisenden Anlagen besonders hoch ist. Die Sektorkopplung hält dazu sehr viele Möglichkeiten bereit. Die Anlagenbetreiber sollten für diesen Beitrag zur Netzentlastung einen finanziellen Anreiz erhalten, etwa indem sie für den selbst verbrauchten Strom von etwaigen Netzentgelten befreit werden.

Mieterstrommodelle endlich ermöglichen

Derzeit ist der Anteil des Eigenverbrauchs noch gering. So rechen die Übertragungsnetzbetreiber für das kommenden Jahr mit einen Eigenverbrauch von Solarstrom in Höhe von 1,5 Terawattstunden. Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch wird mit 457 Terawattstunden angegeben. Allerdings sind noch längst nicht alle Potenziale gehoben. Denn neben den Ein- und Zweifamilienhäusern, in denen die Nutzung des eigenen Solarstroms ohne weiteres möglich ist, liegen die Potenzial für den Eigenverbrauch in Mehrfamilienhäusern noch fast komplett brach. Deshalb legt das Forscherteam der Politik nahe, endlich die bürokratischen und rechtlichen Hürden für Mieterstrommodelle und die Stromlieferungen in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Erzeugungsanlage abzuschaffen, um die Nutzung des Solarstroms auch in Mehrfamilienhäusern oder sogar in Quartieren zu ermöglichen. (Sven Ullrich)