Die Düsseldorfer Stadtwerke haben einen wichtigen Schritt in Richtung Dekarbonisierung der Fernwärme unternommen: Gestern ist nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit eine neue Energiezentrale auf dem Werksgelände des Industriekonzerns Henkel offiziell in Betrieb genommen worden. Nun kann das Unternehmen industrielle Abwärme für die Fernwärmeversorgung von Privathaushalten ins Netz speisen.
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Abwärme verdrängt 70 Prozent des Erdgas-Anteils
Zu der 700 Quadratmeter großen Energiezentrale gehören ein 51 Meter hoher Kamin aus Stahl und ein Wärmetauscher. Dort wird die bislang ungenutzte industrielle Abwärme aufbereitet und bei Bedarf mit zusätzlicher Wärme aus einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in das Fernwärme-Netz eingespeist. Eine neue, rund 3,6 Kilometer lange Leitung verbindet die Zentrale mit den umliegenden Stadtteilen Benrath und Garath, wo die Wärme künftig verbraucht wird. Bislang wurde hier rund 50 Prozent des Wärmebedarfs über Erdgas-Heizkessel gedeckt. „Durch Nutzung der bei Henkel vorliegenden Abwärme und KWK-Wärme kann der Heizkesseleinsatz im Mittel um circa 70 Prozent verdrängt werden“, heißt es von den Stadtwerken. So könnten die CO₂-Emissionen jährlich um rund 6.500 Tonnen gesenkt werden.
Stadt nutzt Abwärme aus Stromtrasse
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sagte, die Kooperation von Industrie und Energiewirtschaft zeige, „wie wir uns Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien können. Das Ergebnis ist ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort und ein wichtiger Beitrag für die Versorgungssicherheit.“
Gesamtinvestitionen von rund 54,3 Millionen Euro
Für den Neubau und die Einrichtung der Infrastruktur haben die Stadtwerke Düsseldorf nach eigenen Angaben rund 40 Millionen Euro investiert. Zudem trugen Fördermittel von etwa 14,3 Millionen Euro aus dem Landesprogramm „progres.nrw – Wärme- und Kältenetz“ zur Finanzierung des Projektes bei. Julien Mounier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf, betonte die Wichtigkeit dieser Förderung. „In der Zusammenarbeit zwischen kommunalem Versorger und Industrie liegt erhebliches Potenzial, denn alles, was in unsicheren Zeiten die Abhängigkeit von Importen reduziert, stärkt den Wirtschaftsstandort und die Versorgungssicherheit in unserer Region.“