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„Dann gibt es in ein paar Jahren nur noch Turbinen aus China“

Herr Professor Reuter, die Wissenschaft protestiert gegen Kürzungen im Forschungsetat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Worum geht es da genau?

Andeas Reuter: Es geht um die Verpflichtungsermächtigungen im Haushalt 2027. Also das Recht, Gelder zu vergeben, die erst in den kommenden Haushalten wirksam werden. Die sind für die Wissenschaft oder auch für Infrastrukturprojekte zentral, weil viele Aktivitäten nicht auf ein Haushaltsjahr beschränkt sind. Also werden Reservierungen in den Etat eingebaut, die über das Haushaltsjahr hinausgehen und automatisch in den Folgehaushalten auftauchen.

Dieses Konstrukt führt oft zu irritierenden Diskussionen, wenn Haushälter sagen, die Kürzungen im Haushaltsjahr 2027 seien minimal. Es geht aber kaum um dieses Haushaltsjahr, weil dort die Verpflichtungsermächtigungen der letzten Jahre bereits gebunden sind. Im Wesentlichen betrifft es die mittel- und längerfristigen Vorhaben, die nächstes Jahr starten und in den Haushaltsjahren 2028 und 2029 wirksam werden. Diese Verpflichtungsermächtigungen sind für die Energieforschung pauschal um 30 Prozent gekürzt worden, für die Reallabore sogar um 40 Prozent.

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Inwieweit ist Fraunhofer IWES davon betroffen?

Reuter: Für uns ist das ein großes Problem, weil die vorhandenen Mittel bereits in diesem und im letzten Jahr massiv überzeichnet waren. Es gibt viel mehr Projektanträge, als bewilligt werden können. Vor zehn Jahren lag die Erfolgsquote bei 30 bis 40 Prozent. Damit konnte man arbeiten. Derzeit liegen wir eher zwischen 10 und 20 Prozent. Wenn weiter gekürzt wird, landen wir bei sechs bis acht Prozent Bewilligungsquote. Dann müssen wir zwölf bis dreizehn qualifizierte Forschungsanträge stellen, um einen bewilligt zu bekommen. Das ist enormer Leerlauf.

Hinzu kommt ein größeres Problem: Wir machen Verbundprojekte mit der Industrie und arbeiten gemeinsam an Themen, die sie interessieren und gelöst haben will. Wenn die Industrie merkt, dass nur zehn Prozent oder weniger ihrer Projekte durchkommen, sucht sie sich andere Wege. Dann fällt die deutsche Forschungsförderung aus deren Kalkulation, und sie gehen nach Dänemark, ins Vereinigte Königreich oder anderswohin. Sie machen es selbst oder gar nicht – je nach Thema. Das schadet dem Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland massiv. Und es betrifft nicht nur einige Institute oder Universitäten, sondern die gesamte Forschung zu erneuerbaren Energien mit der Industrie in Deutschland und letztlich Europa, die dann gegen die Konkurrenz, etwa aus China, zurückfällt.

Andreas Reuter ist Institutsleiter des Fraunhofer IWES.

Timo Lutz

Andreas Reuter ist Institutsleiter des Fraunhofer IWES.

Warum ist es bei der angewandten Forschung zu erneuerbaren Energien besonders kritisch, wenn jetzt gekürzt wird?

Reuter: Weil es nicht um langfristige Themen wie Fusion geht, bei denen es keinen Unterschied macht, ob etwas 2060 oder 2065 wirksam wird. Wir arbeiten an Themen, die dringend für die Transformation des Energiesystems gebraucht werden: Netzauslastung, Integration erneuerbarer Energien in die Netze, Modellierung – all das ist in fünf Jahren kritisch. Im internationalen Wettbewerb mit China können wir das Thema nicht um Jahre verschieben, in der Hoffnung auf eine neue Regierung mit stärkerer Zukunftsperspektive. Dann sind viele Chancen bereits vertan. Dann gibt es in ein paar Jahren nur noch chinesische Turbinen, weil Frau Reiche die notwendigen Weichenstellungen nicht auf den Weg gebracht hat. Das wollen wir nicht zulassen.

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Hinzu kommt: Bestimmte Dinge funktionieren dann nicht oder werden teurer. Wir forschen beispielsweise zu Standortbedingungen in der Nordsee, um Offshore-Projekte kostengünstiger zu machen. Unsere Ergebnisse, etwa zur seismischen Baugrunduntersuchung, haben eine große Hebelwirkung und wirken praktisch sofort. Wir können für einen Bruchteil der Kosten Standortanalysen durchführen. Dadurch wurden bereits Hunderte Millionen Euro eingespart, sowohl bei Bau- als auch bei Erkundungskosten, und die Projektrisiken wurden minimiert.

Wenn solche Projekte nicht mehr gemacht werden, wird der Strom teurer, die Energiewende teurer. Das hat Kosten- und Abhängigkeitskonsequenzen, betrifft Resilienz und die Unabhängigkeit von China oder anderen externen Einflussfaktoren. All das hat direkte und unmittelbare Auswirkungen.

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Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Proteste Aussicht auf Erfolg haben?

Reuter: Nicht sehr, weil die Haushaltssituation kritisch ist und die Vorgaben aus dem Finanzministerium, pauschal nach Rasenmähermethode zu kürzen, umgesetzt wurden. Jemand im Wirtschafts- und Energieministerium müsste die Hand heben und sagen, dass Mittel priorisiert und zielgerichtet von A nach B umgelagert werden sollen.

Hätten Sie denn eine Idee, woher die Mittel kommen sollten, die bei den Erneuerbaren fehlen?

Reuter: Bezogen auf den Gesamthaushalt des BMWE sind die knapp 500 Millionen Euro für die Forschung zu erneuerbaren Energien ein sehr geringer Teil. Aus meiner Sicht sollte kritisch hinterfragt werden, ob die Unterstützungen für fossile Technologien so zielführend sind wie das, was wir machen. Man sollte prüfen, welche Unterstützungen es aus dem Ministerium für fossile Technologien gibt, in welcher Form auch immer, bis hin zu Subventionen. Von dort etwas abzuzweigen würde nicht schaden, da es oft um viel größere Summen geht. Diese Mittel in unsere Forschung zu stecken, wäre deutlich wirksamer.