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Photovoltaik in Polen

Q Cells schließt seinen ersten Solarpark ans polnische Netz an

Hanwha Q Cells hat seinen ersten von insgesamt 50 Solarparks in Polen ans Netz angeschlossen. Das Unternehmen hat bei den Ausschreibungen eine Einspeisevergütung für jede Anlage gewonnen, die eine Leistung von jeweils einem Megawatt nicht übersteigen wird.

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 - Mit diesem Solarpark in Smętowo Graniczne steigt Q Cells kräftig in den polnischen Markt ein.
Mit diesem Solarpark in Smętowo Graniczne steigt Q Cells kräftig in den polnischen Markt ein.
Hawha Q Cells

Der Modulhersteller Hanwha Q Cells hat in Polen mit dem Aufbau einer ganze Reihe von Solarparks begonnen. In dem kleinen pommerschen Örtchen Smętowo Graniczne, 50 Kilometer südlich von Gdansk, wurde jetzt die erste von insgesamt 50 Solarparks ans Netz angeschlossen. Die Freiflächenanlage wird eine Leistung von einem Megawatt haben und ist ein Teil eines Gesamtportfolios, das Q Cells in den vergangenen Ausschreibungen gewonnen hat. Insgesamt 30 Megawatt hat der Modulproduzent hier akquiriert und damit einen Projektpipeline von 45 Megawatt aufgebaut. Insgesamt bedeutet dies einen Anteil von 15 Prozent an allen Solarprojekten, die in den Ausschreibungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien vergeben wurden, wie das Unternehmen mitteilt.

Mindeststrommenge liefern

Diese Ausschreibungen waren technologieoffene Auktionen, bei denen es um eine Vergütung für den eingespeisten Strom geht. Dabei wurde aber unterschieden zwischen Anlagen mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt, was vorteilhaft für die Photovoltaik war, und mehr als einem Megawatt, wo die Windenergie punkten konnte. Deshalb werden die Anlagen, die Q Cells in Polen aufbauen wird, auch alle eine Leistung von einem Megawatt nicht übersteigen. „Die gesicherten Einnahmen und die von der polnischen Regierung garantierten Renditen machen unser 45-Megawatt-Photovotlaik-Portfolio zu einer attraktiven Investition in einem Markt, der unseres Erachtens kontinuierlich wächst und viele Chancen bietet“, betont Mauro Di Fiore, Vizepräsident des Unternehmensbereiches EPC Business von Q Cells. „Für ein Unternehmen wie Hanwha Q Cells, das seine EPC-Aktivitäten weltweit stetig ausgebaut hat, ist Polens Auktionsverfahren eine ideale Möglichkeit, unsere Kompetenz und Erfahrung bei der Umsetzung der verschiedenen Stufen der solaren Wertschöpfungskette unter Beweis zu stellen – vom Erwerb der Rechte an Projekten über die Lieferung von Solarmodulen bis hin zu EPC- und O amp;M-Dienstleistungen.“

Tatsächlich liegen die technologischen Hürden in Polen etwas höher als in Deutschland. Denn die Projekte werden nicht anhand der installierten Leistung gefördert. Vielmehr müssen die Anlagen innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums eine bestimmte Mindeststrommenge liefern. Vergütet wird dann allerdings der gesamte geliefert Strom. Damit müssen die Anlagen auch tatsächlich verfügbar sein. Längere Wartungsstillstände oder gar Anlagenausfälle kann sich hier kein Projektierer leisten. Der Generator muss stetig zu 100 Prozent performen. Auch Q Cells hat für jeden der insgesamt 50 Solarparks mit der polnischen Energieregulierungsbehörde (URE) ein 15-jähriger Differenzkontrakt (CfD) abgeschlossen, der einen Festpreis in polnischen Złoty für jede der von den Photovoltaikanlagen produzierten Kilowattstunde vorsieht.

Photovoltaik in Polen wächst stetig

Der polnische Markt ist etwas holpriger als in den anderen europäischen Ländern. Denn Deutschlands östlicher Nachbar verfügt über ein riesiges Portfolio an Kohlekraftwerken, mit denen die Betreiber gutes Geld verdienen. Dazu kommt noch, dass vor allem im Süden des Landes üppige Kohlevorräte lagern, die intensiv genutzt werden. Allerdings hat Polen – nicht nur dadurch – ein heftiges Problem mit der Luftqualität. Immer wieder ziehen dicke Rauchschwaden durch die Städte, weil die Haushalte noch mit alten Öfen alles verheizen, was brennbar ist. Dazu kommt noch, dass Warschau bereits eine Mahnung aus Brüssel bekommen hat, den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mehr zu behindern. Polen muss bis 2020 einen Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Stromproduktion von 15 Prozent schaffen.

Das Ergebnis dieser Entwicklung sind die Ausschreibungen, die die Regierung in den vergangenen beiden Jahren durchgeführt hat. Dadurch und durch die Förderung von Kleinanlagen mit Einspeisevergütungen ist der polnische Markt in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der polnische Solarverband Polskie Towarzystwo Fotowoltaiki geht davon aus, dass das Ziel durchaus erreichbar ist und dass der Ökostromanteil im Zieljahr bei 15,85 Prozent liegen wird. Immerhin sind im vergangenen Jahr nach Angaben des Verbands fast 108 Megawatt Anlagenleistung neu hinzugekommen, nachdem 2016 fast 100 Megawatt installiert wurden.

1,2 Gigawatt bis 2020 erwartet

Den ersten kräftigen Schub – zumindest für polnische Verhältnisse gab es 2015, als sich der Markt von 21 auf 71 Megawatt mehr als verdreifacht hat. Dadurch sind derzeit insgesamt etwa 360 Megawatt Photovoltaikleistung installiert, wobei dies nur die Anlagen sind, die auch bei den Energieregulierungsbehörden oder bei den Energieversorgern angemeldet wurden. Dazu kommen noch einmal eine ganze Reihe von kleinen Inselanlagen, deren Gesamtleistung niemand kennt.

In den nächsten beiden Jahren bekommt der Zubau aber einen zusätzlichen Schub aufgrund der Ausschreibungen. Denn die Gewinnerprojekte wie das, was Q Cells jetzt in Betrieb genommen hat, sind bisher nur zu einem kleinen Teil gebaut. Die Errichtungsfrist von Anlagen aus der ersten Ausschreibung läuft aber im Dezember dieses Jahres aus. Die Anlagen aus der zweiten Ausschreibung müssen bis zum Juni des kommenden Jahres fertig sein. Das Institut für erneuerbare Energien (Instytut Energetyki Odnawialnej – IEO) rechnet deshalb allein in diesem Segment von einem Zubau von mindestens 50 Megawatt. Im kommenden Jahr sollte die Installation von Solarparkleistung dann um ein Vielfaches höher liegen. Insgesamt wird bis Ende 2020 die insgesamt installierte Leistung auf 1,2 Gigawatt ansteigen, wie Polskie Towarzystwo Fotowoltaiki prognostiziert. (Sven Ullrich)