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Kraftwerk Nordsee: Windbranche will 9,5 Milliarden Euro bis 2030 investieren

Ein gemeinsamer Investitionspakt soll europäische Offshore-Windenergie in der Nordsee voranbringen. Auf dem Nordsee-Gipfel in Hamburg unterzeichneten europäische Regierungsvertreter, die Offshore-Windbranche und die Übertragungsnetzbetreiber gleich mehrere Vereinbarungen, um die Nordsee zum grünen Kraftwerk Europas zu machen, darunter den „Joint Offshore Wind Investment Pact for the North Seas“.

Ziel 300 GW soll bleiben

Auf Einladung der Bundesregierung diskutierten zehn europäische Regierungen, die Europäische Kommission, die NATO und mehr als 140 Vertreter von Unternehmen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen den Ausbau der Offshore-Windenregie in der Nordsee, auch vor dem Hintergrund, die europäische Energieversorgung unabhängiger und resilienter aufzustellen.

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Sie bestätigten dabei das Ziel, bis 2050 eine Offshore-Windkraftkapazität von 300 GW aufzubauen. Außerdem wollen die Unterzeichner für einen gleichmäßigeren Ausbau von Offshore-Wind zwischen 2031 und 2040 sorgen: Pro Jahr sollen bis zu 15 GW in Europa in Betrieb gehen. Ein solider Investitionsrahmen soll diesen Ausbau absichern, etwa durch grenzüberschreitende Differenz- (Contracts for Difference, CfDs) und Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs).

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91.000 zusätzliche Arbeitsplätze

Die Offshore-Windbranche wiederum verpflichtet sich, die Kosten für Strom aus Offshore-Windkraft bis 2040 um 30 Prozent zu senken, in Europa 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten zu investieren und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, heißt es in einer vom Windverband Wind Europe verbreiteten und von mehr 100 Unternehmen unterzeichneten Erklärung. 

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Studie: Kooperation spart Kosten

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Kooperationsprojekten: Bis zu einem Drittel der geplanten 300 GW Offshore-Kapazität soll in internationalen Projekten erfolgen, heißt es in der zusätzlich von den Energieministern verabschiedeten „Hamburger Erklärung“. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die beteiligten Staaten die grenzüberschreitende Planung erleichtern, Genehmigungsprozesse vereinfachen und beschleunigen sowie die Finanzierung über ein neues Offshore Financing Framework (OFF) stärken.

Synergien vor der Küste senken Ausbaukosten

Eine neue Studie des Fraunhofer IWES im Auftrag des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt, wie solche internationale Kooperationen zu Kostensenkungen beitragen können. Würden beispielsweise Offshore-Windparks in der dänischen und schwedischen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) direkt an das deutsche Stromnetz angeschlossen, käme dies mehrere Milliarden Euro günstiger, als wenn ausschließlich in der deutschen Nord- und Ostsee gebaut würde. Gleichzeitig könnten die Stromerträge um bis zu 13 Prozent steigen.

Übertragungsnetzbetreiber schlagen neues Finanzierungsmodell vor

Traditionelle Finanzierungsinstrumente würden indes nicht ausreichen, um solche internationalen Investitionen zu sichern, hieß es von der Offshore TSO Collaboration (OTC), zu der zwölf Übertragungsnetzbetreiber aus den Nordsee-Anrainern gehören. Sie schlägt ein neues, flexibleres Finanzierungsmodell für multilaterale Kooperationen vor, das ex-ante Planungssicherheit mit ex-post Flexibilität verbinden soll. Ex-ante bedeutet, dass Länder ihre Kostenanteile bereits vor Projektbeginn auf Basis gemeinsam modellierter Szenarien festlegen. Ex-post erlaubt, diese Anteile nach Inbetriebnahme anzupassen, wenn reale Daten zeigen, wie stark einzelne Länder tatsächlich profitieren. Durch die Verbindung beider Elemente entstehe ein System, das verlässlich genug sei, um große Infrastrukturinvestitionen auszulösen, und gleichzeitig flexibel genug bleibe, um die tatsächlichen Systemvorteile fair zu berücksichtigen, so die OTC.